Persönlichkeit

Arkady Martine

Amerikanische Autorin und Byzantinistin, deren Teixcalaan-Romane imperiale Macht, Sprache und kulturelle Assimilation mit Space Opera verbinden.

AnnaLinden Weller, die unter dem Pseudonym Arkady Martine veröffentlicht, brachte eine ungewöhnliche Perspektive in die Science-Fiction ein: Sie ist promovierte Byzantinistin und Expertin für mittelalterliche Imperien. Diese akademische Expertise durchdringt ihre Teixcalaan-Romane A Memory Called Empire (2019) und A Desolation Called Peace (2021). Die Protagonistin Mahit Dzmare ist Botschafterin einer kleinen Raumstation bei Teixcalaan, einem gewaltigen galaktischen Imperium, das offensichtlich von Byzanz inspiriert ist: prächtig, kulturell dominant, bürokratisch komplex und von einer Poesie-Tradition durchzogen, die als Machtinstrument fungiert.

Mahits Dilemma ist zutiefst menschlich: Sie liebt die Kultur des Imperiums, das ihre eigene Heimat zu verschlingen droht. Sie bewundert die Literatur, die Architektur und die Sprache der Teixcalaanli, während sie gleichzeitig weiß, dass diese kulturelle Anziehungskraft eine Form der Eroberung ist. Martine erforscht, wie Imperien nicht nur durch militärische Gewalt, sondern durch die Verführungskraft ihrer Kultur expandieren, ein Prozess, den sie aus ihrer Forschung über Byzanz kennt.

A Memory Called Empire gewann den Hugo Award für den besten Roman. Der zweite Band, A Desolation Called Peace, erweitert den Fokus um First Contact mit einer radikal fremden Alien-Intelligenz und die Frage, ob imperiale Denkstrukturen den Kontakt mit dem wirklich Anderen unmöglich machen. Martines Prosa ist elegant und präzise, ihre Weltengestaltung reich an Details und politischer Komplexität. Sie hat gezeigt, dass akademisches Wissen über historische Imperien direkt in fesselnde Science-Fiction übersetzt werden kann.

Mit A Desolation Called Peace gelang Martine 2022 ein seltenes Kunststück: Der zweite Teil einer Serie gewann erneut den Hugo Award für den besten Roman, nachdem bereits der Auftakt A Memory Called Empire 2020 den Hugo sowie den Compton Crook Award für den besten Debütroman gewonnen hatte. Zwei aufeinanderfolgende Bände mit dem wichtigsten Preis des Genres auszuzeichnen, gelingt nur sehr wenigen Serien. A Desolation Called Peace gewann zusätzlich den Locus Award für den besten Science-Fiction-Roman des Jahres 2022.

Vor und neben ihrer Schriftstellerkarriere ist Martine promovierte Byzantinistin (unter ihrem bürgerlichen Namen AnnaLinden Weller) und erwarb zusätzlich einen Master in Stadtplanung an der University of Maryland. Diese doppelte Fachkenntnis, Geschichte alter Imperien und die praktische Logik von Infrastruktur und Verwaltung, prägt die Teixcalaan-Romane sichtbar: Teixcalaan wirkt nicht wie eine bloße Kulisse, sondern wie ein System aus Bürokratie, Stadtplanung und kultureller Selbstdarstellung mit eigener innerer Logik. Heute arbeitet Martine hauptberuflich als politische Beraterin für saubere Energie im US-Bundesstaat New Mexico und befasst sich dort mit Netzregulierung und Klimapolitik, während sie die Teixcalaan-Welt in weiteren Werken fortführt.

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Arkady Martine. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/arkady-martine/ (abgerufen am 12.07.2026).