Weltraummedizin

Circadianer Rhythmus im All

Auf der ISS geht die Sonne 16 Mal pro Tag auf und unter, der menschliche Schlaf-Wach-Rhythmus gerät ohne Gegenmaßnahmen massiv durcheinander.

Was ist Circadianer Rhythmus im All?

Auf der ISS geht die Sonne 16 Mal pro Tag auf und unter, der menschliche Schlaf-Wach-Rhythmus gerät ohne Gegenmaßnahmen massiv durcheinander.

Der circadiane Rhythmus ist die innere Uhr des Menschen, die physiologische Prozesse (Schlaf, Hormone, Temperatur, Verdauung) an einen 24-Stunden-Zyklus koppelt. Im All ist dieser Rhythmus gefährdet: Die ISS umkreist die Erde alle 90 Minuten, sodass Astronauten 16 Sonnenauf- und -untergänge pro Tag erleben.

Studien zeigen, dass ISS-Astronauten im Durchschnitt nur 6–6,5 Stunden pro Nacht schlafen (statt der empfohlenen 7–8 Stunden) und häufig Schlafmittel verwenden. Chronischer Schlafmangel beeinträchtigt kognitive Leistung, Immunfunktion und emotionale Stabilität.

Die ISS nutzt seit 2016 ein spezielles LED-Beleuchtungssystem (Solid State Lighting Assembly, SSLA), das Farbtemperatur und Intensität über den Tag variiert: Blaues, helles Licht am Morgen fördert die Wachheit; wärmeres, gedämpftes Licht am Abend unterstützt die Melatonin-Produktion.

Für Mars-Missionen kommt eine weitere Komplikation hinzu: Der Mars-Tag (Sol) dauert 24 Stunden und 37 Minuten. Die NASA testete in der Mars-500-Simulation, ob Menschen sich an einen Sol-Rhythmus anpassen können. Ergebnis: Es funktioniert, aber die Drift gegenüber dem Erd-Rhythmus verursacht soziale Desynchronisation bei der Kommunikation mit der Erde.