Astrobiologie

Kohlenstoff-Chauvinismus

Die Annahme, dass alles Leben im Universum auf Kohlenstoff basieren muss, ein Vorurteil, das die Suche nach Aliens einschränken könnte.

Was ist Kohlenstoff-Chauvinismus?

Die Annahme, dass alles Leben im Universum auf Kohlenstoff basieren muss, ein Vorurteil, das die Suche nach Aliens einschränken könnte.

Der Begriff 'Kohlenstoff-Chauvinismus' wurde in den 1970er Jahren geprägt und bezeichnet die Tendenz, bei der Suche nach außerirdischem Leben nur nach kohlenstoffbasierter Biochemie zu suchen. Da alles bekannte Leben auf Kohlenstoff aufbaut, suchen Teleskope und Sonden primär nach Kohlenstoffverbindungen, Wasser und erdähnlichen Bedingungen.

Carl Sagan warnte als einer der Ersten vor diesem Bias: Wir könnten Lebensformen übersehen, die auf völlig anderer Chemie basieren. Mögliche Alternativen zum Kohlenstoff sind Silizium (ähnliche Bindungseigenschaften), Bor (in heißen Umgebungen) oder sogar Stickstoff-Phosphor-Systeme.

Auch das Lösungsmittel muss nicht Wasser sein: Ammoniak, Methan (flüssig auf Titan bei −179 °C) oder Schwefelsäure (in der Venus-Atmosphäre) wären theoretisch denkbar. Auf Titan regnet flüssiges Methan, wenn dort Leben existiert, wäre es grundlegend anders als alles, was wir kennen.

Die Science Fiction nutzt das Konzept regelmäßig, um wirklich fremdes Leben zu entwerfen. Stanislaw Lems Solaris und die Cheela aus Robert Forwards Dragon's Egg (1980, Leben auf Neutronenstern-Oberfläche) sind Beispiele für Leben, das jeden irdischen Rahmen sprengt. Peter Watts' Blindsight fragt provokant, ob Intelligenz überhaupt an Biochemie gebunden ist.