Warum gibt es so wenig deutsche Science-Fiction?
Die Gründe, warum Deutschland im internationalen SciFi-Vergleich unterrepräsentiert wirkt, und warum das Bild nicht ganz stimmt.
Die Frage wird oft gestellt, aber die Antwort ist komplizierter als vermutet. Deutschland hat eine reiche Science-Fiction-Tradition, die aber international weniger sichtbar ist als die angloamerikanische.
Historisch war Deutschland ein Pionier. Kurd Laßwitz ('Auf zwei Planeten', 1897) schrieb einen der ersten modernen SF-Romane. Fritz Langs 'Metropolis' (1927) definierte die visuelle Sprache des Genres. In der Nachkriegszeit dominierte Perry Rhodan (seit 1961) als weltweit größte Science-Fiction-Heftromanserie mit über 3.200 Heften.
Die relative Unsichtbarkeit hat mehrere Gründe. Der deutsche Buchmarkt war lange auf angloamerikanische Übersetzungen ausgerichtet. Verlage wie Heyne und Bastei Lübbe veröffentlichten bevorzugt übersetzte Bestseller statt einheimischer Autoren. Die literarische Kritik in Deutschland hat Science-Fiction traditionell als Trivialliteratur abgewertet, was talentierte Autoren in andere Genres trieb.
Doch die Szene lebt. Andreas Eschbach ('Das Jesus Video', 'NSA'), Frank Schätzing ('Der Schwarm'), Dietmar Dath ('Die Abschaffung der Arten'), Tom Hillenbrand ('Hologrammatica', 'Qube') und Marcus Hammerschmitt schreiben anspruchsvolle deutschsprachige SF. Die Selfpublishing-Szene boomt mit Autoren wie Timo Leibig, Phillip P. Peterson und Joshua Tree.
Der Deutsche Science Fiction Preis und der Kurd-Laßwitz-Preis zeichnen jährlich die besten Werke aus. Verlage wie Memoranda, Polarise und Hirnkost haben sich auf SF spezialisiert. Die Zeitschrift 'Nova' fördert Kurzgeschichten.
Die Wahrnehmung, es gäbe wenig deutsche SF, sagt mehr über die Sichtbarkeit als über die Quantität. Die Community wächst, und mit dem internationalen Erfolg von Autoren wie Eschbach und Schätzing ändert sich auch die Wahrnehmung.
Die beiden wichtigsten Auszeichnungen der Szene bestehen seit Jahrzehnten und widerlegen die These vom fehlenden Publikum: Der Kurd-Laßwitz-Preis wurde 1980 nach dem Vorbild des amerikanischen Nebula Award gegründet und wird von Autoren, Übersetzern, Lektoren, Verlegern und Fachjournalisten der deutschsprachigen Szene vergeben, was ihn zum bekanntesten Preis des Genres macht. Der Deutsche Science-Fiction-Preis folgte 1985, gestiftet vom Science Fiction Club Deutschland, und zeichnet jährlich die beste deutschsprachige Kurzgeschichte sowie den besten Roman des Vorjahres aus.
Dass deutsche SF auch international reüssiert, zeigen zwei Beispiele der jüngeren Zeit. Andreas Eschbachs Werke sind in mehr als vierzehn Sprachen übersetzt worden, darunter Englisch, Französisch, Japanisch und Russisch, sein Durchbruch 'Das Jesus-Video' erscheint seit 1998 in zahlreichen Ausgaben. Frank Schätzings 'Der Schwarm' wurde 2023 als aufwendige, englischsprachig gedrehte ZDF-Koproduktion mit Partnern wie France Télévisions, Rai und Hulu Japan verfilmt und feierte seine Premiere bei der Berlinale, ein Beleg dafür, dass deutsche SF-Stoffe auch international produziert werden.
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Warum gibt es so wenig deutsche Science-Fiction?. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/warum-wenig-deutsche-scifi/ (abgerufen am 12.07.2026).
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