Technologie

Bewusstseins-Emulation

Bewusstseins-Emulation ist die vollständige Simulation eines Gehirns als Software, oft als Whole Brain Emulation bezeichnet. Sie ist der technische Kern jeder Mind-Uploading-Vision.

Bewusstseins-Emulation meint den Versuch, ein biologisches Gehirn so detailgenau zu scannen und nachzubilden, dass eine Software dieselben Funktionen erfüllt, einschließlich Erinnerungen, Persönlichkeit und womöglich Bewusstsein. Im Fachjargon heißt das Whole Brain Emulation. Sie gilt als der technische Kern des Mind-Uploading, also der Idee, einen Geist von seinem Körper zu lösen und auf eine Maschine zu übertragen.

Die erste ausführliche Landkarte für dieses Vorhaben stammt von Anders Sandberg und Nick Bostrom, die 2008 am Future of Humanity Institute der Universität Oxford einen Fachbericht mit dem Titel Whole Brain Emulation: A Roadmap veröffentlichten. Sie zerlegen das Problem in drei Schritte. Zuerst wird ein Gehirn gescannt. Dann werden die gewonnenen Daten gedeutet und in ein Softwaremodell übersetzt. Schließlich wird dieses Modell so getreu simuliert, dass es sich auf geeigneter Hardware im Wesentlichen wie das Original verhält. Ein wichtiger Gedanke der Roadmap lautet, dass man das Gehirn nicht vollständig verstehen muss, um es zu emulieren. Es reicht, seine Struktur ausreichend genau abzubilden.

Sandberg und Bostrom beschreiben außerdem Stufen der Annäherung. Zunächst eine funktionale Emulation, die etwa Wachzustand und Schlaf unterscheidet. Dann eine arttypische Emulation mit menschlichem Verhalten und Lernfähigkeit. Erst danach die individuelle Emulation, die einen bestimmten Geist abbildet. Diese Abstufung macht deutlich, dass zwischen einem groben Hirnmodell und der Kopie einer konkreten Person ein gewaltiger Abstand liegt.

In der Science-Fiction ist die Bewusstseins-Emulation ein Dauerthema des Transhumanismus. Greg Egan baut in Permutation City und Diaspora ganze Gesellschaften aus emulierten Personen, die als Software leben, sich kopieren, verlangsamen oder beschleunigen lassen. Charles Stross arbeitet in Accelerando und Glasshouse mit Sicherungskopien und parallelen Versionen desselben Bewusstseins. Diese Texte stellen Fragen, die der Sandberg-Bostrom-Bericht nur am Rand berührt. Ist die Kopie noch dieselbe Person? Stirbt das Original beim Hochladen? Was bedeutet Identität, wenn es plötzlich mehrere gibt?

Wissenschaftlich ist die vollständige Bewusstseins-Emulation bis heute Spekulation. Es fehlen die Scanverfahren, die ein lebendes Gehirn bis zur Ebene einzelner Synapsen erfassen, und die Rechenleistung, um es in Echtzeit zu simulieren. Projekte zur Kartierung des Connectoms, also der Verschaltung von Nervenzellen, liefern erste Bausteine, decken aber nur winzige Ausschnitte ab. Die Roadmap bleibt deshalb eher ein Denkrahmen als ein Bauplan.

Genau diese Lücke zwischen klarer Theorie und fehlender Praxis macht das Thema für die SF so ergiebig. Die Bewusstseins-Emulation verspricht eine Art technische Unsterblichkeit und stellt zugleich die härtesten Fragen über das Selbst. Sie ist der Punkt, an dem Transhumanismus aufhört, eine Frage der Werkzeuge zu sein, und zur Frage wird, was einen Menschen überhaupt ausmacht.

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Bewusstseins-Emulation. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/bewusstseins-emulation/ (abgerufen am 05.06.2026).