Science-Fiction-Zitate: Die Datenbank

Das Internet ist voll von Science-Fiction-Zitaten. Das Problem: Ein erschreckend großer Teil davon ist falsch zugeschrieben, falsch datiert oder schlicht erfunden. Diese Seite macht es anders. Jedes Zitat hier wurde gegen die Originalquelle geprüft, jede Quellenangabe nennt Werk und Jahr, bei Interviews das Medium und das Datum.

Warum der Aufwand? Weil Zitate Werkzeuge sind. Wer in einem Vortrag, einem Schulreferat oder einem Artikel ein Asimov-Zitat verwendet, das in Wahrheit aus einem Unix-Programm von 1987 stammt, macht sich angreifbar. Und weil die echten Sätze fast immer besser sind als die erfundenen. Vernes tatsächliche Mondfahrt-Prophezeiung von 1865 schlägt jede Kalenderspruch-Paraphrase, die ihm später angedichtet wurde.

Die Sammlung ist in fünf Blöcke gegliedert. Zuerst die gemeinfreien Klassiker von Jules Verne, H. G. Wells, Mary Shelley und Kurd Laßwitz, deren Texte frei zitierbar sind. Dann die großen Stimmen des 20. Jahrhunderts, von Asimov über Lem bis Le Guin. Es folgen Wissenschaftler mit SF-Bezug, von Ziolkowski bis Hawking, danach ein kurzer Block mit Zitaten direkt aus den Werken. Den Abschluss bildet das Kapitel, das diese Seite von gewöhnlichen Listicles unterscheidet: elf Zitate, die nie so gesagt wurden, mit den Belegen, woher sie wirklich stammen.

Eine Anmerkung zu den Übersetzungen: Deutsche Buchübersetzungen sind eigenständig urheberrechtlich geschützt. Wo eine etablierte deutsche Form mit Editionsbeleg existiert, zeigen wir sie und nennen die Ausgabe. Wo nicht, übersetzen wir selbst und kennzeichnen das mit dem Zusatz (Übersetzung: BuchKnall). Das englische oder französische Original steht jeweils dabei, denn am Ende zählt der Wortlaut, den der Autor tatsächlich geschrieben hat.

Die Klassiker: Verne, Wells, Shelley, Laßwitz

Die Begründer des Genres sind gemeinfrei, ihre Texte dürfen in voller Länge zitiert werden. Das ist ein Glücksfall, denn gerade bei Verne und Wells lohnt sich der ganze Satz, nicht nur die Pointe.

„Wir werden eines Tages zum Mond, zu den Planeten und zu den Sternen reisen, so leicht, schnell und sicher, wie man heute von Liverpool nach New York fährt.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (frz.): „On va aller à la Lune, on ira aux planètes, on ira aux étoiles, comme on va aujourd'hui de Liverpool à New York, facilement, rapidement, sûrement.“

Jules Verne, De la Terre à la Lune (Von der Erde zum Mond), 1865, Kapitel XIX. Rede des Abenteurers Michel Ardan vor der Menge in Tampa. Geschrieben 104 Jahre vor Apollo 11, mit Florida als Startort, genau wie später bei der NASA. Mehr dazu in unserem Artikel über SF-Vorhersagen, die wahr wurden.

„Das Meer ist alles. Es bedeckt sieben Zehntel des Erdballs. Sein Atem ist rein und gesund. Es ist eine unermessliche Wüste, in der der Mensch nie allein ist, denn er spürt das Leben an seiner Seite.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (frz.): „La mer est tout! Elle couvre les sept dixièmes du globe terrestre. Son souffle est pur et sain. C'est l'immense désert où l'homme n'est jamais seul, car il sent frémir la vie à ses côtés.“

Jules Verne (Figur: Kapitän Nemo), Vingt mille lieues sous les mers (20.000 Meilen unter dem Meer), 1870, Teil I, Kapitel X. Nemos Credo gegenüber Professor Aronnax an Bord der Nautilus, eine der bekanntesten Passagen des Romans.

„Nichts kann einen Amerikaner in Erstaunen versetzen. In Amerika ist alles leicht, alles einfach. Kaum gesagt, schon getan.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (frz.): „Rien ne saurait étonner un Américain. [...] En Amérique, tout est facile, tout est simple [...] Chose dite, chose faite.“

Jules Verne, De la Terre à la Lune, 1865, Kapitel III. Vernes ironischer Blick auf den amerikanischen Machbarkeitsglauben des Gun Club, der kurzerhand beschließt, eine Kanone zum Mond zu bauen.

„Niemand hätte in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts geglaubt, dass diese Welt scharf und genau von Intelligenzen beobachtet wurde, die dem Menschen überlegen und doch ebenso sterblich waren wie er.“ (Übersetzung: BuchKnall, Auszug)

Original (engl.): „No one would have believed in the last years of the nineteenth century that this world was being watched keenly and closely by intelligences greater than man's and yet as mortal as his own [...] intellects vast and cool and unsympathetic, regarded this earth with envious eyes, and slowly and surely drew their plans against us.“

H. G. Wells, The War of the Worlds (Krieg der Welten), 1898, Buch I, Kapitel 1. Der berühmteste Eröffnungsabsatz der SF-Geschichte und die Vorlage für Orson Welles' Radiopanik von 1938. Das Urmotiv des Ersten Kontakts als Bedrohung.

„Es gibt keine Intelligenz, wo es keine Veränderung gibt und keinen Bedarf an Veränderung.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „There is no intelligence where there is no change and no need of change.“

H. G. Wells, The Time Machine (Die Zeitmaschine), 1895, Kapitel 10. Das Fazit des Zeitreisenden über die degenerierten Eloi im Jahr 802.701: Eine Gesellschaft ohne Herausforderungen verliert ihren Verstand. Der Gründungstext des Motivs Zeitreise.

„Die Menschheitsgeschichte wird mehr und mehr zu einem Wettlauf zwischen Bildung und Katastrophe.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Human history becomes more and more a race between education and catastrophe.“

H. G. Wells, The Outline of History, 1920, Kapitel 41. Schlussgedanke seines Weltgeschichtswerks, geschrieben unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs. Wird oft verkürzt zitiert: Die Fortsetzung im Original („Yet, clumsily or smoothly, the world, it seems, progresses“) ist deutlich optimistischer als die bekannte Kurzform.

„Wir haben die Zukunft gemacht, und kaum einer von uns hat sich Gedanken gemacht, welche Zukunft wir da machen. Und hier ist sie!“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „We were making the future, and hardly any of us troubled to think what future we were making. And here it is!“

H. G. Wells, When the Sleeper Wakes, 1899. Der Schläfer Graham erwacht nach 203 Jahren in einer Dystopie, die seine eigene Epoche unbedacht herbeigeführt hat. Hochaktuell für jede Debatte über Technikfolgen.

„Leben und Tod erschienen mir als ideelle Grenzen, die ich als Erster durchbrechen würde, um einen Strom von Licht in unsere dunkle Welt zu gießen.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Life and death appeared to me ideal bounds, which I should first break through, and pour a torrent of light into our dark world.“

Mary Shelley (Figur: Victor Frankenstein), Frankenstein; or, The Modern Prometheus, 1818, Kapitel 4. Victors Hybris kurz vor der Erschaffung des Monsters. Die Geburtsstunde des SF-Motivs vom Wissenschaftler, der Gott spielt, das bis in heutige Debatten über künstliche Intelligenz nachhallt.

„Mein Herz war dazu geschaffen, für Liebe und Mitgefühl empfänglich zu sein, und als das Elend es zu Laster und Hass zwang, ertrug es die Gewalt dieser Veränderung nicht ohne Qualen, wie du sie dir nicht einmal vorstellen kannst.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „My heart was fashioned to be susceptible of love and sympathy, and when wrenched by misery to vice and hatred, it did not endure the violence of the change without torture such as you cannot even imagine.“

Mary Shelley (Figur: das Monster), Frankenstein, 1818, Kapitel 24 (Rede an Robert Walton). Das Monster erklärt Walton, dass es nicht böse geboren, sondern durch Ausgrenzung böse gemacht wurde. Die populäre Kurzform „I was benevolent and good; misery made me a fiend“ steht nur sinngemäß im Roman, dies ist die belegte Passage. Das Motiv des verstoßenen Geschöpfs prägt bis heute jede Roboter-Erzählung.

„Ihr seid würdig der Freiheit, die Ihr Euch gewonnen habt, nehmt sie hin, wir verzichten freiwillig auf unsre Herrschaft. Unser Ziel ist erreicht, wenn Ihr Menschen seid.“

Kurd Laßwitz (Botschaft der Martier an die Menschheit), Auf zwei Planeten, 1897, Schlussteil des zweiten Buchs. Die ethisch überlegenen Martier beenden ihr Protektorat über die Erde, sobald die Menschheit moralisch mündig geworden ist. Laßwitz' kantianische Pointe: Freiheit muss verdient werden. Der wichtigste deutsche SF-Roman des 19. Jahrhunderts, hier im Originalwortlaut.

„Eine Schlange jagt über das Eis. In riesiger Länge ausgestreckt schleppt sie ihren dünnen Leib wie rasend dahin.“

Kurd Laßwitz, Auf zwei Planeten, 1897, Erstes Buch, 1. Kapitel „Am Nordpol“, erste Sätze. Der rätselhafte Romaneinstieg: Die „Schlange“ ist der Schatten eines Ballons der Polarexpedition, die gleich auf die Marsstation am Nordpol stoßen wird. Erschienen ein Jahr vor Wells' Krieg der Welten.

Die großen Stimmen des 20. Jahrhunderts

Asimov, Clarke, Le Guin, Bradbury, Dick, Herbert, Gibson, Butler, Lem, Adams: Die Sätze in diesem Block sind kurz zitiert, mit Quelle und Kontext, wie es das Zitatrecht erlaubt. Bei jedem steht, woher er wirklich kommt, denn gerade hier kursieren die meisten falschen Quellenangaben.

Isaac Asimov

„Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „A robot may not injure a human being, or, through inaction, allow a human being to come to harm.“

Isaac Asimov, Erstes Robotergesetz, Kurzgeschichte „Runaround“, Astounding Science Fiction, März 1942; später in I, Robot (1950). Das erste der drei Robotergesetze, die bis heute jede Debatte über KI-Sicherheit prägen. Das zweite Gesetz verlangt Gehorsam gegenüber Menschen, solange das erste nicht verletzt wird, das dritte den Selbstschutz des Roboters. In Robots and Empire (1985) ergänzte Asimov das Nullte Gesetz: „A robot may not injure humanity, or, through inaction, allow humanity to come to harm.“

„Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen.“

Original (engl.): „Violence is the last refuge of the incompetent.“

Isaac Asimov (Figur: Salvor Hardin), Foundation, 1951, Teil II „The Encyclopedists“ (dt. Ausgabe: Der Tausendjahresplan). Bürgermeister Hardins Maxime auf Terminus. Hübsches Detail: Der Satz ist eine Abwandlung von Samuel Johnsons „Patriotism is the last refuge of a scoundrel“. Der Auftakt der berühmtesten Space Opera der Literaturgeschichte.

„Es existiert ein Kult der Ignoranz, genährt durch die falsche Annahme, dass Demokratie bedeutet: Meine Ignoranz ist genauso viel wert wie dein Wissen.“ (Übersetzung: BuchKnall, Auszug)

Original (engl.): „There is a cult of ignorance in the United States [...] nurtured by the false notion that democracy means that 'my ignorance is just as good as your knowledge'.“

Isaac Asimov, Essay „A Cult of Ignorance“, Newsweek, 21. Januar 1980, S. 19. Asimovs berühmtester Essay-Satz, der bis heute in jeder Wissenschaftsskepsis-Debatte auftaucht, meist ohne Quelle. Hier mit der präzisen.

„Das Traurigste am Leben ist derzeit, dass die Wissenschaft schneller Wissen sammelt, als die Gesellschaft Weisheit sammelt.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „The saddest aspect of life right now is that science gathers knowledge faster than society gathers wisdom.“

Isaac Asimov, Isaac Asimov's Book of Science and Nature Quotations, 1988, S. 281. Aus seinem eigenen Zitateband, also von Asimov selbst autorisiert. Eine der seltenen Quellenangaben, bei der man sicher sein kann.

Arthur C. Clarke

„Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht mehr zu unterscheiden.“

Original (engl.): „Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.“

Arthur C. Clarke, Drittes Clarkesches Gesetz, Profiles of the Future, revidierte Ausgabe 1973, S. 36 (dt. Übersetzung zitiert nach Andreas Weber, Biokapital, Berlin Verlag 2008, S. 57). Das meistzitierte SF-Gesetz überhaupt, heute Standardvokabel in jeder Diskussion über künstliche Intelligenz. Das erste Gesetz (1962): „When a distinguished but elderly scientist states that something is possible, he is almost certainly right. When he states that something is impossible, he is very probably wrong.“ Das zweite: „The only way of discovering the limits of the possible is to venture a little way past them into the impossible.“ Beide aus dem Essay „Hazards of Prophecy“ in Profiles of the Future (1962).

„Zwei Möglichkeiten gibt es: Entweder wir sind allein im Universum, oder wir sind es nicht. Beides ist gleichermaßen erschreckend.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Two possibilities exist: Either we are alone in the Universe or we are not. Both are equally terrifying.“

Arthur C. Clarke, zitiert in Michio Kaku, Visions: How Science Will Revolutionize the Twenty-First Century, 1999, S. 295. Ehrlichkeitshinweis: Das ist ein Sekundärbeleg, Kaku zitiert Clarke. Eine fast identische Formulierung taucht schon 1966 in einem Kubrick-Interview auf, wo Kubrick „einen Schriftsteller“ zitiert, vermutlich Clarke. Der Gedanke selbst ist die Kurzfassung des Fermi-Paradoxons.

„Ich kann die Milchstraße heute nicht mehr betrachten, ohne mich zu fragen, aus welcher dieser aufgetürmten Sternenwolken die Abgesandten kommen werden. Ich glaube nicht, dass wir lange warten müssen.“ (Übersetzung: BuchKnall, Auszug)

Original (engl.): „I can never look now at the Milky Way without wondering from which of those banked clouds of stars the emissaries are coming. [...] I do not think we will have to wait for long.“

Arthur C. Clarke, Kurzgeschichte „The Sentinel“, geschrieben 1948, publiziert als „Sentinel of Eternity“ in 10 Story Fantasy, Frühjahr 1951. Der Schlusssatz der Geschichte, die zur Keimzelle von 2001: Odyssee im Weltraum wurde.

Ursula K. Le Guin

„Wir leben im Kapitalismus. Seine Macht scheint unausweichlich. Das schien auch das Gottesgnadentum der Könige.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „We live in capitalism. Its power seems inescapable; so did the divine right of kings.“

Ursula K. Le Guin, Dankesrede bei den National Book Awards, November 2014. Aus derselben Rede stammt ihre Beschreibung von SF- und Fantasy-Autoren als „realists of a larger reality“. Eine der meistzitierten Genre-Reden des Jahrzehnts.

„Das Einzige, was das Leben möglich macht, ist eine permanente, unerträgliche Ungewissheit: nicht zu wissen, was als Nächstes kommt.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „The only thing that makes life possible is permanent, intolerable uncertainty: not knowing what comes next.“

Ursula K. Le Guin, The Left Hand of Darkness (Die linke Hand der Dunkelheit), 1969, Kapitel 5. Aus dem Hugo- und Nebula-prämierten Roman über den Planeten Gethen, eine der großen Erstkontakt-Geschichten der Literatur.

„Man kann Ideen nicht zerschlagen, indem man sie unterdrückt. Man kann sie nur zerschlagen, indem man sie ignoriert.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „You can't crush ideas by suppressing them. You can only crush them by ignoring them.“

Ursula K. Le Guin, The Dispossessed (Planet der Habenichtse), 1974, Kapitel 6. Der Physiker Shevek über den Umgang mit unbequemen Ideen. Der Satz gilt auf der anarchistischen Weltraumkolonie Anarres genauso wie auf dem kapitalistischen Urras.

Ray Bradbury

„Man muss keine Bücher verbrennen, um eine Kultur zu zerstören. Es reicht, die Menschen dazu zu bringen, sie nicht mehr zu lesen.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „You don't have to burn books to destroy a culture. Just get people to stop reading them.“

Ray Bradbury, Interview mit Misha Berson, The Seattle Times, 12. März 1993. Achtung, hier lauert die häufigste Falschquelle des Genres: Der Satz wird ständig als Zitat aus Fahrenheit 451 ausgegeben. Er steht nicht im Roman. Es ist ein Interview-Zitat von 1993, der früheste verifizierte Beleg ist die Seattle Times.

„Füllt eure Augen mit Staunen, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Seht euch die Welt an. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in Fabriken hergestellt oder bezahlt wird.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Stuff your eyes with wonder, live as if you'd drop dead in ten seconds. See the world. It's more fantastic than any dream made or paid for in factories.“

Ray Bradbury (Figur: Granger, der seinen Großvater zitiert), Fahrenheit 451, 1953, Schlussteil. Grangers Großvater-Rede am Ende des Romans, das humanistische Gegenprogramm zur Bücherverbrennung. Das hier steht wirklich im Buch.

„Geh an den Rand der Klippe und spring. Bau dir deine Flügel auf dem Weg nach unten.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Go to the edge of the cliff and jump off. Build your wings on the way down.“

Ray Bradbury, Brown Daily Herald, 24. März 1995. Bradburys Schreib- und Lebensmotto, hier mit datiertem Pressebeleg statt der üblichen quellenlosen Weitergabe.

Philip K. Dick

„Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört, daran zu glauben.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Reality is that which, when you stop believing in it, doesn't go away.“

Philip K. Dick, Rede/Essay „How To Build A Universe That Doesn't Fall Apart Two Days Later“, 1978, publiziert in I Hope I Shall Arrive Soon (1985). Dicks Definition von Realität, sein bekanntester Satz überhaupt. Er taucht auch in seinem Roman VALIS (1981) auf.

„Das grundlegende Werkzeug zur Manipulation der Realität ist die Manipulation von Wörtern. Wer die Bedeutung von Wörtern kontrolliert, kontrolliert die Menschen, die diese Wörter benutzen müssen.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „The basic tool for the manipulation of reality is the manipulation of words. If you can control the meaning of words, you can control the people who must use the words.“

Philip K. Dick, „How To Build A Universe That Doesn't Fall Apart Two Days Later“, 1978. Dick über fabrizierte Realitäten, Medien und Macht, Jahrzehnte vor jeder Fake-News-Debatte. Die direkte Brücke zu Orwells Neusprech, siehe Block 4.

Frank Herbert

„Übergebt eure kritischen Fähigkeiten niemals vollständig an Menschen an der Macht, ganz gleich, wie bewundernswert diese Menschen erscheinen mögen.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Don't give over all of your critical faculties to people in power, no matter how admirable those people may appear to be.“

Frank Herbert, Essay „Dune Genesis“, Omni, Juli 1980, S. 72. Herbert erklärt hier die Kernbotschaft von Dune: Misstrauen gegenüber Helden und Übermenschen. Aus demselben Essay stammt: „Heroes are painful, superheroes are a catastrophe.“

„Was wir mit aller Intensität tun müssen, ist, gemeinsam Mensch zu sein. Menschen sind wichtiger als Dinge.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „The thing we must do intensely is be human together. People are more important than things.“

Frank Herbert, Einleitung zur Umwelt-Anthologie New World or No World, 1970. Herbert als Öko-Vordenker. Die Wurzeln von Dune liegen in seiner Recherche über Sanddünen in Oregon 1957, lange bevor Terraforming ein Modewort wurde.

William Gibson

„Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal geschaltet war.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „The sky above the port was the color of television, tuned to a dead channel.“

William Gibson, Neuromancer, 1984, Kapitel 1, erster Satz. Der berühmteste erste Satz des Cyberpunk. Im selben Werkumfeld prägte Gibson das Wort „Cyberspace“.

„Die Zukunft ist schon da, sie ist nur ungleich verteilt.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „The future is already here — it's just not very evenly distributed.“

William Gibson, „The Science in Science Fiction“, Talk of the Nation, NPR, 30. November 1999. Gibsons Signatursatz über Technologieverteilung. Zur Quellenlage: Oft wird ein NPR-Auftritt von 1993 als Erstbeleg genannt, der ist aber unverifiziert. Der harte Beleg ist die NPR-Sendung von 1999, in der Gibson den Satz selbst mit „As I've said many times“ einleitet.

Octavia E. Butler, Stanisław Lem, Douglas Adams

„Alles, was du berührst, / veränderst du. / Alles, was du veränderst, / verändert dich. / Die einzige bleibende Wahrheit / ist die Veränderung.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „All that you touch / You Change. / All that you Change / Changes you. / The only lasting truth / Is Change.“

Octavia E. Butler, Parable of the Sower, 1993, Kapitel 1, Verse aus „Earthseed: The Books of the Living“. Die Eröffnungsverse der Earthseed-Religion der Protagonistin Lauren Olamina. Butlers bekannteste Zeilen, aus einer der einflussreichsten Dystopien der 1990er.

„Wir wollen den Kosmos gar nicht erobern, wir wollen nur die Grenzen der Erde bis an seine Ränder ausdehnen. Wir suchen nur den Menschen. Wir brauchen keine anderen Welten. Wir brauchen Spiegel.“ (Übersetzung: BuchKnall, nach der engl. Standardübersetzung von Kilmartin/Cox)

Engl. Standardübersetzung (1970): „We don't want to conquer the cosmos, we simply want to extend the boundaries of Earth to the frontiers of the cosmos. [...] We are only seeking Man. We have no need of other worlds. We need mirrors.“

Stanisław Lem (Figur: Snaut), Solaris, 1961, Kapitel „The Little Apocrypha“. Snauts berühmter Monolog: Der Mensch sucht im All nicht das Fremde, sondern sich selbst. Das philosophische Herz von Solaris und vielleicht die klügste Antwort der Literatur auf das Fermi-Paradoxon.

„Vernunft ist innere Freiheit.“

Stanisław Lem, Der futurologische Kongress, Suhrkamp 1979, S. 81, Übersetzung I. Zimmermann-Göllheim. Lems Kurzformel aus dem Roman über eine durch Psychochemikalien verschleierte Realität. Hier mit Editionsbeleg der deutschen Ausgabe.

„Zweiundvierzig“, sagte Deep Thought mit unendlicher Würde und Ruhe. (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „'Forty-two,' said Deep Thought, with infinite majesty and calm.“

Douglas Adams (Figur: Deep Thought), The Hitchhiker's Guide to the Galaxy (Per Anhalter durch die Galaxis), 1979, Kapitel 27. Die Antwort auf die große Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, verkündet von der zweitgrößten künstlichen Intelligenz aller Zeiten. Warum 42? Adams selbst hat es am 3. November 1993 in der Usenet-Gruppe alt.fan.douglas-adams erklärt: „It was a joke. It had to be a number, an ordinary, smallish number, and I chose that one. [...] I sat at my desk, stared into the garden and thought '42 will do'. I typed it out. End of story.“ Damit sind alle Numerologie-Theorien vom Autor persönlich abgeräumt.

„Der Weltraum ist groß. Wirklich groß. Du glaubst gar nicht, wie unermesslich, riesig, atemberaubend groß er ist. Du denkst vielleicht, der Weg bis zur Apotheke ist weit, aber das sind Peanuts gegen den Weltraum.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Space is big. Really big. You just won't believe how vastly, hugely, mindbogglingly big it is. I mean, you may think it's a long way down the road to the chemist, but that's just peanuts to space.“

Douglas Adams (Stimme des Reiseführers), The Hitchhiker's Guide to the Galaxy, 1979, Kapitel 8. Der Guide-Eintrag über den Weltraum, dessen Dimensionen selbst mit Lichtgeschwindigkeit unbezwingbar bleiben. Dazu der Buchdeckel-Klassiker: „DON'T PANIC“.

„Ich liebe Deadlines. Ich mag das zischende Geräusch, das sie machen, wenn sie vorbeifliegen.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „I love deadlines. I love the whooshing noise they make as they go by.“

Douglas Adams, The Salmon of Doubt, 2002 (posthum erschienene Sammlung). Adams' Selbstironie über sein notorisches Verfehlen von Abgabeterminen.

Wissenschaftler über Zukunft und All

Die zweite Quelle großer Zukunftssätze sind die Wissenschaftler selbst, vom Raketenpionier Ziolkowski bis zu Hawkings KI-Warnung. Gerade hier ist die Fehlzuschreibungsquote am höchsten, deshalb gilt auch in diesem Block: nur Sätze mit hartem Beleg.

„Der Planet ist die Wiege des Verstandes, aber man kann nicht ewig in der Wiege leben.“

Original (russ.): „Планета есть колыбель разума, но нельзя вечно жить в колыбели.“

Konstantin Ziolkowski, „Die Erforschung des Weltraums mittels Reaktionsapparaten“, 1911/1912, erstmals publiziert in Vestnik Vozdukhoplavaniya Nr. 3, 1912. Das Leitmotiv der gesamten Raumfahrt, vom Raketenpionier und SF-Autor formuliert. Wichtig: Die geläufige Form „Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber man kann nicht ewig in der Wiege bleiben“ ist eine Paraphrase, nicht der Wortlaut. Sein zweiter belegter Satz, der auch auf seinem Denkmal steht: „Der Mensch wird nicht ewig auf der Erde bleiben.“ (Vozdukhoplavanie v nashe vremya, 1912). Der direkte Vorlauf zu jeder Raumstation und Weltraumkolonie.

„Der Kosmos ist auch in uns. Wir bestehen aus Sternenstaub. Wir sind eine Möglichkeit des Kosmos, sich selbst zu erkennen.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „The cosmos is also within us. We're made of star-stuff. We are a way for the cosmos to know itself.“

Carl Sagan, TV-Serie Cosmos: A Personal Voyage, 1980, Episode 1. Sagans bekannteste Formulierung. Dahinter steht harte Astrophysik: Die schweren Elemente in unserem Körper entstanden tatsächlich im Inneren von Sternen.

„Die Vorstellungskraft trägt uns oft in Welten, die es nie gab. Aber ohne sie kommen wir nirgendwohin.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Imagination will often carry us to worlds that never were. But without it we go nowhere.“

Carl Sagan, Cosmos (Buch), 1980, S. 4. Sagans Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Science-Fiction. Wenn diese Seite ein Motto bräuchte, wäre es dieses.

„Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Extraordinary claims require extraordinary evidence.“

Carl Sagan, Cosmos: A Personal Voyage, 1980, Episode 12. Der „Sagan-Standard“ der Skeptiker-Bewegung, von Sagan ausgerechnet im UFO-Kontext formuliert. Bis heute der Maßstab in jeder Debatte über außerirdisches Leben.

„Schau noch einmal auf diesen Punkt. Das ist hier. Das ist Zuhause. Das sind wir. [...] ein Staubkorn, das in einem Sonnenstrahl schwebt.“ (Übersetzung: BuchKnall, Kurzauszug)

Original (engl.): „Look again at that dot. That's here. That's home. That's us. [...] a mote of dust suspended in a sunbeam.“

Carl Sagan, Pale Blue Dot: A Vision of the Human Future in Space, 1994, S. 8. Sagans Reflexion über das Voyager-1-Foto der Erde von 1990, aufgenommen aus rund 6 Milliarden Kilometern Entfernung. Die vollständige Passage ist länger und lohnt das Original.

„Schwarze Löcher sind nicht so schwarz, wie man sie malt. Sie sind nicht die ewigen Gefängnisse, für die man sie einst hielt. Wenn du also das Gefühl hast, in einem Schwarzen Loch zu stecken: Gib nicht auf. Es gibt einen Weg hinaus.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Black holes ain't as black as they are painted. They are not the eternal prisons they were once thought. [...] So if you feel you are in a black hole, don't give up. There's a way out.“

Stephen Hawking, BBC Reith Lecture 2, aufgezeichnet 2015, gesendet 2016. Hawking über die nach ihm benannte Hawking-Strahlung, mit seinem typischen Humor zur Lebensmetapher gewendet. Hintergrund im Glossar: Schwarzes Loch.

„Ich glaube nicht, dass die Menschheit die nächsten tausend Jahre überlebt, wenn wir uns nicht in den Weltraum ausbreiten. Es gibt zu viele Unfälle, die dem Leben auf einem einzigen Planeten zustoßen können. Aber ich bin Optimist. Wir werden nach den Sternen greifen.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet. But I'm an optimist. We will reach out to the stars.“

Stephen Hawking, Interview mit Roger Highfield, Daily Telegraph, 16. Oktober 2001. Hawkings Plädoyer für die Mehrplaneten-Spezies, die direkte Fortsetzung von Ziolkowskis Wiegen-Gedanken neunzig Jahre später.

„Die Entwicklung einer vollständigen künstlichen Intelligenz könnte das Ende der Menschheit bedeuten.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „The development of full artificial intelligence could spell the end of the human race.“

Stephen Hawking, BBC-Interview, 2. Dezember 2014. Hawkings KI-Warnung, die die heutige Debatte über künstliche Intelligenz und AI-Safety mitgeprägt hat. Hier treffen sich Wissenschaft und der älteste SF-Topos.

„Ich bin genug Künstler, um frei aus meiner Vorstellungskraft zu schöpfen. Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen. Wissen ist begrenzt. Vorstellungskraft umspannt die Welt.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „I am enough of an artist to draw freely upon my imagination. Imagination is more important than knowledge. Knowledge is limited. Imagination encircles the world.“

Albert Einstein, Interview mit George Sylvester Viereck, „What Life Means to Einstein“, The Saturday Evening Post, 26. Oktober 1929. Der harte Beleg für das meistmissbrauchte Einstein-Zitat. Dieser Satz ist tatsächlich von ihm, im Gegensatz zu den meisten anderen Einstein-Sprüchen im Umlauf (siehe letztes Kapitel). Eine Variante erschien 1931 in Cosmic Religion.

„Die Quantenmechanik ist sehr achtung-gebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, daß das doch nicht der wahre Jakob ist. [...] Jedenfalls bin ich überzeugt, daß der nicht würfelt.“

Albert Einstein, Brief an Max Born, 4. Dezember 1926 (Einstein/Born Briefwechsel 1916-1955, Nymphenburger 1969, S. 129 f.). Einsteins Skepsis gegenüber der Quantenmechanik, hier im deutschen Originalwortlaut samt alter Rechtschreibung. Die geläufige Kurzform „Gott würfelt nicht“ ist eine Verkürzung dieses Briefsatzes. Determinismus gegen Zufall: ein Dauerthema des Genres, von der Zeitreise bis zum Quantencomputer.

„Grundlagenforschung ist das, was ich tue, wenn ich nicht weiß, was ich tue.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Basic research is what I am doing when I don't know what I am doing.“

Wernher von Braun, Interview, New York Times, 16. Dezember 1957. Einordnung, die hier nicht fehlen darf: Von Braun war SS-Mitglied, und seine V2-Rakete wurde von KZ-Häftlingen im Lager Mittelbau-Dora unter mörderischen Bedingungen gebaut. Sein belegter Kommentar nach dem ersten V2-Einschlag in London im September 1944 zeigt die ganze moralische Ambivalenz des späteren NASA-Ingenieurs: „The rocket worked perfectly, except for landing on the wrong planet.“ (Quelle: Jonathan Allday, Apollo in Perspective, 1999, S. 85).

„Das erste Prinzip lautet: Du darfst dich nicht selbst täuschen. Und du selbst bist am leichtesten zu täuschen.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „The first principle is that you must not fool yourself — and you are the easiest person to fool.“

Richard Feynman, „Cargo Cult Science“, Caltech-Abschlussrede 1974, publiziert in Surely You're Joking, Mr. Feynman! (1985), S. 343. Feynmans Wissenschaftsethik in einem Satz. Sein zweiter belegter Klassiker: „I think I can safely say that nobody understands quantum mechanics.“ (The Character of Physical Law, 1965, Kapitel 6). Wer wissen will, warum das bis heute stimmt, liest unseren Eintrag zum Quantencomputer.

„Was ich nicht erschaffen kann, verstehe ich nicht.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „What I cannot create, I do not understand.“

Richard Feynman, Notiz auf seiner Tafel am Caltech zum Zeitpunkt seines Todes, Februar 1988 (Foto im Caltech-Archiv). Die ungewöhnlichste Quellenform dieser Sammlung: ein Tafelfoto. Der Satz ist heute ein Leitspruch der KI-Forschung und der synthetischen Biologie.

Zitate aus den Werken

Zum Abschluss der Sammlung ein paar Sätze, die nicht über ihre Autoren, sondern über ihre Romane berühmt geworden sind. Orwell ist seit 2021 gemeinfrei (im Original), bei Huxley und Herbert bleiben wir bewusst bei kurzen Auszügen.

„Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft. Wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht die Vergangenheit.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „Who controls the past controls the future: who controls the present controls the past.“

George Orwell, Nineteen Eighty-Four (1984), 1949, Teil 1 (Parteislogan). Der Slogan der Partei Ozeaniens über Geschichtsmanipulation, das Fundament jeder modernen Dystopie.

„Wenn du ein Bild der Zukunft willst, stell dir einen Stiefel vor, der auf ein menschliches Gesicht tritt. Für immer.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „If you want a picture of the future, imagine a boot stamping on a human face — forever.“

George Orwell, Nineteen Eighty-Four, 1949, Teil 3. O'Briens Zukunftsvision im Verhör von Winston Smith, das dunkelste Bild des Romans.

„Aber ich will keinen Komfort. Ich will Gott, ich will Poesie, ich will echte Gefahr, ich will Freiheit, ich will Güte. Ich will Sünde.“ / „Tatsächlich beanspruchen Sie das Recht, unglücklich zu sein.“ / „Na schön, dann beanspruche ich das Recht, unglücklich zu sein.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „But I don't want comfort. I want God, I want poetry, I want real danger, I want freedom, I want goodness. I want sin.“ / „In fact, you're claiming the right to be unhappy.“ / „All right then, I'm claiming the right to be unhappy.“

Aldous Huxley, Brave New World (Schöne neue Welt), 1932, Kapitel 17 (Dialog John der Wilde / Mustapha Mond). Die Schlüsselszene des Romans: Der Wilde lehnt die schmerzfreie Konsumgesellschaft ab und wählt das Unglück als Preis der Freiheit.

„Community, Identity, Stability.“

Aldous Huxley, Brave New World, 1932, Kapitel 1 (planetares Motto). Das Staatsmotto des Weltstaats: drei Wörter als komplette Ideologie. In der Herlitschka-Übersetzung als „Gemeinschaftlichkeit, Einheitlichkeit, Beständigkeit“ wiedergegeben.

„Ich darf mich nicht fürchten. Die Furcht tötet das Bewusstsein.“ (Übersetzung: BuchKnall)

Original (engl.): „I must not fear. Fear is the mind-killer.“

Frank Herbert, Dune (Der Wüstenplanet), 1965, erstes Kapitel. Die ersten beiden Zeilen der Litanei gegen die Furcht der Bene Gesserit, die Paul Atreides beim Gom-Jabbar-Test rezitiert. Die vollständige Litanei ist deutlich länger und urheberrechtlich geschützt, deshalb hier nur der Auftakt: Die berühmteste Passage des Romans gehört ohnehin im Ganzen gelesen.

Zitate, die nie so gesagt wurden

Jetzt zum Aufräumen. Die folgenden elf Sätze gehören zu den meistgeteilten „SF-Zitaten“ überhaupt, und keiner davon stammt von der Person, der er zugeschrieben wird, oder aus der Quelle, die üblicherweise genannt wird. Alle Befunde sind gegen die Misattributed-Listen von Wikiquote und die Recherchen von Quote Investigator geprüft.

„Was ein Mensch sich vorstellen kann, werden andere Menschen verwirklichen.“ (angeblich Jules Verne)

Die englische Umlaufform „Anything one man can imagine, other men can make real“ steht nirgendwo in Vernes Werk und auf keiner belegten Zitatliste, weder als gesichertes noch als zugeschriebenes Zitat. Sie wird von Zitatportalen seit Jahrzehnten quellenlos weitergereicht. Wer den Gedanken will, nimmt Vernes echtes Mondfahrt-Zitat von 1865 aus dem ersten Block dieser Seite, das ist ohnehin stärker.

„Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit...“ (angeblich Einstein)

Der früheste Beleg stammt von Fritz Perls (Gestalt Therapy Verbatim, 1969), der Einstein aus dem Gedächtnis zitiert. Pikant: In seinem eigenen früheren Buch schrieb Perls denselben Satz noch einem ungenannten „großen Astronomen“ zu. Ältere Wurzeln des Gedankens finden sich bei Renan und Flaubert. Quote Investigator und Wikiquote führen das Zitat als Fehlzuschreibung.

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ (angeblich Einstein)

Der früheste Beleg ist ein Text der Narcotics Anonymous von 1981. Der Satz wird auch Benjamin Franklin und Mark Twain untergeschoben. Von keinem der drei stammt er.

„Jeder ist ein Genie. Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann...“ (angeblich Einstein)

Quote Investigator hat es untersucht: Tier-Allegorien dieser Art kursieren seit über hundert Jahren in Pädagogik-Texten, eine Verbindung zu Einstein gibt es nicht.

„Somewhere, something incredible is waiting to be known.“ (angeblich Carl Sagan)

Der Satz stammt von der Journalistin Sharon Begley. Es ist der Schlusssatz ihres Newsweek-Porträts über Sagan aus dem Jahr 1977. Sagan hat ihn nie gesagt, er stand nur im Artikel über ihn. Eine der elegantesten Fehlzuschreibungen der Wissenschaftsgeschichte.

„Wenn wir allein im Universum sind, wäre das eine schreckliche Platzverschwendung.“ (angeblich Sagan oder Clarke)

Im Umfeld von Sagans Roman und Film Contact ist der Satz eine Paraphrase. Sagan selbst zitierte mit dem Gedanken den Historiker Thomas Carlyle („If they be not inhabited, what a waste of space“). Als Sagan-Originalzitat ist die Form falsch.

„Der größte Feind des Wissens ist nicht Unwissenheit, sondern die Illusion des Wissens.“ (angeblich Stephen Hawking)

Stammt vom Historiker Daniel J. Boorstin, unter anderem im Umfeld seines Buchs The Discoverers (1983). Es wurde Hawking nie belegt zugeschrieben, klebt aber bis heute an ihm, vermutlich weil es so gut zu ihm passen würde.

„Der spannendste Satz in der Wissenschaft ist nicht 'Heureka!', sondern 'Das ist ja komisch...'“ (angeblich Asimov)

Selbst Wikiquote stuft den Satz nur als „Attributed“ ein: Der Erstbeleg ist der Quellcode des Unix-Programms „Fortune“ vom Juni 1987, kein Asimov-Text. Quote Investigator hat keinen Primärbeleg gefunden. Wer Asimov zitieren will, hat oben vier belegte Alternativen.

„You don't have to burn books...“ als Zitat aus Fahrenheit 451 (Bradbury)

Eine halbe Fehlzuschreibung: Das Zitat ist echt, aber die übliche Quellenangabe falsch. Es steht nicht im Roman von 1953, sondern stammt aus Bradburys Interview mit der Seattle Times von 1993, vierzig Jahre später. Der korrekte Beleg steht oben im Bradbury-Abschnitt.

„Die Zukunft ist schon da...“ auf 1993 datiert (William Gibson)

Auch hier ist das Zitat echt, nur die Datierung wackelt: Der oft genannte Erstbeleg (Fresh Air, NPR, 31. August 1993) ist unverifiziert. Der harte Beleg ist die NPR-Sendung Talk of the Nation vom 30. November 1999, in der Gibson den Satz selbst als seinen Stammsatz einführt.

„When I see an adult on a bicycle, I do not despair for the future of the human race.“ (angeblich H. G. Wells)

Wikiquote führt das Fahrrad-Zitat unter Misattributed: Die einzige auffindbare Quelle ist ein Cartoon-Band von Andy Singer, kein Wells-Text. Wells war zwar tatsächlich Fahrrad-Enthusiast, aber diesen Satz hat er nirgends geschrieben.

Das Muster hinter all diesen Fällen ist immer dasselbe: Ein guter Satz sucht sich einen berühmten Absender, und je besser der Satz zur Person passt, desto hartnäckiger hält sich die Zuschreibung. Genau deshalb steht auf dieser Seite bei jedem Zitat eine nachprüfbare Quelle. Wenn dir ein SF-Zitat begegnet, das hier fehlt: Erst die Quelle suchen, dann teilen.