Weltraumkolonie
Dauerhafte menschliche Siedlung außerhalb der Erde.
Die Idee, dass die Menschheit die Erde verlässt und andere Welten besiedelt, ist eines der ältesten Themen der Science Fiction. Robert A. Heinlein besiedelte in seinen Juvenile-Romanen der 1950er Jahre den gesamten Planeten, und Arthur C. Clarke entwarf in Earthlight (1955) eine Mondkolonie. Aber das wissenschaftliche Fundament legte der Physiker Gerard K. O'Neill 1976 mit seinem Buch The High Frontier: Human Colonies in Space. O'Neill hatte 1969 seinen Physikstudenten in Princeton die Frage gestellt, ob eine Planetenoberfläche der richtige Ort für eine expandierende technologische Zivilisation sei. Die Antwort war nein. O'Neill entwarf daraufhin riesige rotierende Zylinder an den Lagrange-Punkten des Erde-Mond-Systems, die durch Zentrifugalkraft künstliche Schwerkraft erzeugen. Diese O'Neill-Zylinder beeinflussten die Science Fiction nachhaltig.
Kim Stanley Robinsons Mars-Trilogie (Red Mars 1992, Green Mars 1993, Blue Mars 1996) gilt als das ambitionierteste literarische Werk zum Thema Kolonisierung. Robinson beschreibt über 187 Jahre die Besiedlung und das Terraforming des Mars aus der Perspektive dutzender Charaktere. Die Trilogie behandelt nicht nur Technik, sondern auch Politik, Wirtschaft und die Frage, ob Menschen das Recht haben, einen ganzen Planeten nach ihren Vorstellungen umzugestalten.
Andy Weirs The Martian (2011/2015) verlegte die Kolonisierung zurück auf den Boden der Tatsachen: Ein gestrandeter Astronaut überlebt auf dem Mars mit Kartoffelanbau und Ingenieursverstand. Ian McDonalds Luna-Trilogie (ab 2015) zeigt eine Mondgesellschaft, in der fünf Industriedynastien um Ressourcen kämpfen und es kein Strafrecht gibt, nur Vertragsrecht. Becky Chambers' The Long Way to a Small, Angry Planet (2014) verlegt den Kolonie-Gedanken in ein multikulturelles Raumschiff.
Jeff Bezos hat O'Neills Vision zu seinem erklärten Langzeitziel gemacht. Blue Origin arbeitet an einer Zukunft, in der Millionen Menschen in O'Neill-Habitaten leben und arbeiten. Bezos' Argumentation: Statt einen Planeten zu kolonisieren, sollte die Industrie ins All verlagert werden, um die Erde zu schonen. Elon Musks SpaceX verfolgt den pragmatischeren Mars-Ansatz. Sein erklärtes Ziel ist eine sich selbst versorgende Stadt auf dem Mars mit einer Million Einwohnern.
Die Realität der Kolonisierung bleibt hart: Strahlung, fehlende Atmosphäre, psychologische Isolation, fehlende medizinische Versorgung und die Frage, wer unter welchem Recht eine extraterrestrische Siedlung regiert, sind ungelöste Probleme. Der Weltraumvertrag von 1967 verbietet die nationale Aneignung von Himmelskörpern, was die Frage der Eigentumsrechte zusätzlich verkompliziert.
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Weltraumkolonie. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/weltraumkolonie/ (abgerufen am 17.06.2026).
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