Technologie

Fermi-Paradoxon

Wenn das Universum so groß ist, wo sind dann alle?

Fermi-Paradoxon
NASA/Reid Wiseman

Enrico Fermi stellte 1950 beim Mittagessen im Los Alamos National Laboratory eine Frage, die bis heute unbeantwortet ist: Bei Milliarden von Sternen und Milliarden von Jahren sollten technologische Zivilisationen statistisch häufig sein. Eine Zivilisation, die nur wenige Millionen Jahre Vorsprung hat, könnte die gesamte Galaxie besiedelt haben. Warum sehen wir dann nichts? Fermis Gesprächspartner waren die Physiker Edward Teller, Herbert York und Emil Konopinski. Die Unterhaltung begann mit einem Cartoon über Außerirdische und UFO-Meldungen, aber Fermis Frage traf den Kern eines kosmologischen Problems.

Die Science-Fiction hat Dutzende Antworten entwickelt, jede mit ihren eigenen narrativen Konsequenzen. Liu Cixins Dunkler-Wald-Hypothese (Die Drei Sonnen, 2006) ist die beunruhigendste: Jede Zivilisation, die sich bemerkbar macht, wird von einer älteren zerstört, weil kosmische Ressourcen endlich sind und Vertrauen unmöglich ist. Der Große Filter (Robin Hanson, 1996) postuliert, dass irgendwo im Evolutionspfad eine Hürde lauert, die fast niemand überwindet. Die Frage ist nur, ob sie hinter uns liegt (wir hatten Glück) oder vor uns (wir sind zum Untergang verurteilt). In der SF ist der Filter mal ein Atomkrieg, mal eine technologische Singularität, mal die schlichte Tatsache, dass komplexes Leben extrem unwahrscheinlich ist.

Die Berserker-Hypothese (Fred Saberhagen, ab 1967) stellt sich vor, dass selbstreplizierende Maschinen alle biologischen Zivilisationen vernichten. Die Zoo-Hypothese (John A. Ball, 1973) schlägt vor, dass fortgeschrittene Zivilisationen uns beobachten, aber nicht eingreifen, wie bei einem Naturschutzgebiet. Stephen Baxters Xeelee Sequence spielt in einem Universum, in dem das Paradoxon auf kosmischer Ebene aufgelöst wird: Die Xeelee, die mächtigste Zivilisation aller Zeiten, kämpfen gegen eine Bedrohung aus einer anderen Dimension und interessieren sich nicht für jüngere Spezies. Greg Egans Diaspora (1997) geht noch weiter und beschreibt eine posthumane Zivilisation, die erkennt, dass biologisches Leben in der Galaxis selten ist, weil Gammablitz-Katastrophen es regelmäßig auslöschen.

In der Wissenschaft hat die Frage eine eigene Forschungstradition begründet. Das SETI-Programm (Search for Extraterrestrial Intelligence) horcht seit den 1960er-Jahren das All nach Signalen ab. Frank Drakes Projekt Ozma (1960) am Green Bank Observatory war der erste systematische Versuch. Das Breakthrough Listen-Programm, finanziert von Juri Milner mit 100 Millionen Dollar, durchsucht seit 2016 den Himmel mit den leistungsfähigsten Radioteleskopen. Gefunden wurde bisher: nichts Eindeutiges. Das WOW!-Signal von 1977 bleibt die berühmteste Anomalie, wurde aber nie wiederholt empfangen.

Das Fermi-Paradoxon ist die produktivste Frage der Science-Fiction, weil jede mögliche Antwort eine eigene Geschichte erzählt. Die Stille des Universums kann Trost oder Terror bedeuten, je nachdem, welche Erklärung man bevorzugt.

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Fermi-Paradoxon. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/fermi-paradoxon/ (abgerufen am 17.06.2026).