Technologie

CERN

Europäische Organisation für Kernforschung bei Genf, Heimat des Large Hadron Collider und Geburtsort des World Wide Web.

CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) wurde 1954 als europäisches Gemeinschaftsprojekt für Grundlagenforschung gegründet. Am Standort bei Genf arbeiten über 17.000 Wissenschaftler aus mehr als 110 Ländern. Die Organisation betreibt mehrere Teilchenbeschleuniger, darunter den Large Hadron Collider (LHC) mit 27 Kilometern Umfang.

CERN hat die Physik und die Alltagswelt gleichermaßen verändert. Das W- und Z-Boson (1983, Nobelpreis), Antimaterie-Erzeugung und das Higgs-Boson (2012, Nobelpreis) sind wissenschaftliche Meilensteine. Mindestens ebenso bedeutsam: Tim Berners-Lee erfand 1989 am CERN das World Wide Web, ursprünglich als System zum Austausch von Forschungsdaten. Auch Touchscreens und medizinische Bildgebungsverfahren gehen auf CERN-Forschung zurück.

In der Populärkultur ist CERN ein Magnet für Verschwörungstheorien: Der LHC werde schwarze Löcher erzeugen, die die Erde verschlingen (physikalisch widerlegt). Dan Browns Illuminati spielt am CERN. Das japanische Visual Novel Steins;Gate dreht sich um Zeitreisen, die durch CERN-Experimente ermöglicht werden. Die Serie Dark nutzt ein fiktives CERN-artiges Experiment als Zeitreise-Katalysator.

Gerade CERN zeigt, wie eng reine Grundlagenforschung und konkreter Alltagsnutzen zusammenhängen können. Auf der Suche nach den kleinsten Bausteinen der Materie entstanden ganz nebenbei das World Wide Web und Verfahren der medizinischen Bildgebung, die heute Millionen Menschen dienen. Zugleich ist die Anlage ein Magnet für Mythen und Verschwörungstheorien, von verschluckenden schwarzen Löchern bis zu fiktiven Zeitreisen, die zahllose Serien und Romane aufgreifen. CERN steht damit für die paradoxe Faszination der Großforschung: ein Ort nüchterner Physik, der die Fantasie wie kaum ein anderer beflügelt.