Astronomie

Ergosphäre

Region um ein rotierendes Schwarzes Loch, in der die Raumzeit so stark mitgerissen wird, dass Stillstehen unmöglich ist.

Die Ergosphäre ist die Zone zwischen dem Ereignishorizont und der sogenannten statischen Grenze eines rotierenden (Kerr-) Schwarzen Lochs. In dieser Region wird die Raumzeit durch die Rotation des Schwarzen Lochs so stark mitgerissen, dass sich alles in Rotationsrichtung mitbewegen muss. Stillstehen ist physikalisch unmöglich, selbst für Licht.

Der Name leitet sich vom griechischen ergon (Arbeit/Energie) ab, weil die Ergosphäre theoretisch zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Roger Penrose beschrieb 1969 einen Mechanismus (den Penrose-Prozess), bei dem ein Objekt in die Ergosphäre geschossen wird, dort in zwei Teile zerfällt, wobei ein Teil ins Schwarze Loch stürzt und der andere mit mehr Energie herausgeschleudert wird, als ursprünglich hineinging. Der maximale Energiegewinn beträgt dabei rund 20,7 %. Die Energie stammt aus der Rotationsenergie des Schwarzen Lochs, das dadurch langsamer wird.

In der Science Fiction ist der Penrose-Prozess eine der wenigen physikalisch plausiblen Methoden, um Energie aus einem Schwarzen Loch zu gewinnen. Charles Stross nutzt das Konzept in Accelerando, und Gregory Benfords Galactic Center Saga beschreibt Zivilisationen, die Schwarze Löcher als Energiequellen anzapfen.

Die Ergosphäre ist physikalisch einzigartig, weil sie außerhalb des Ereignishorizonts liegt. Ein Raumschiff kann die Ergosphäre theoretisch betreten und wieder verlassen, muss sich aber dabei zwingend in Rotationsrichtung bewegen. Die statische Grenze, also die äußere Begrenzung der Ergosphäre, hat eine abgeflachte Form: Sie liegt an den Rotationspolen des Schwarzen Lochs auf dem Ereignishorizont selbst und an den äquatorialen Regionen deutlich weiter außen.

Der Blandford-Znajek-Prozess, eine quantitative Erweiterung des Penrose-Mechanismus, beschreibt, wie Rotationsenergie eines Schwarzen Lochs durch magnetische Felder in Teilchen und Strahlung umgewandelt werden kann. Dieser Prozess gilt als Erklärungskandidat für die enormen Energieausbrüche, die relativistische Jets in aktiven Galaxienkernen antreiben. Die Ergosphäre ist damit nicht nur ein theoretisches Kuriosum, sondern möglicherweise der Motor der leuchtkräftigsten Prozesse im Universum.

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