Konzept

Fixpunkt in der Zeit

Ein Fixpunkt in der Zeit ist ein Zeitreise-Motiv, bei dem bestimmte Ereignisse unveränderlich feststehen und sich nicht umschreiben lassen. Besonders prominent wurde das Konzept in der Serie Doctor Who.

Spoiler-Warnung: Dieser Eintrag enthält Handlungsdetails aus Doctor Who.

Der Fixpunkt in der Zeit ist ein Erzählmotiv aus dem Bereich der Zeitreise. Es beschreibt Ereignisse, die unter keinen Umständen verändert werden dürfen, weil sie für den Bestand des Universums notwendig sind. Während der größte Teil der Zeitlinie als wandelbar gilt und für Eingriffe offensteht, bilden die Fixpunkte ein unverrückbares Gerüst. Sie müssen geschehen, sonst gerät das Gefüge von Zeit und Raum aus den Fugen.

Populär gemacht hat den Begriff die britische Serie Doctor Who. Dort gehört es zu den Kernfähigkeiten der Time Lords, mit einem Blick zu erkennen, welche Momente veränderlich und welche festgelegt sind. Wer einen Fixpunkt antastet, riskiert Katastrophen. In der Serie erscheinen etwa die Reapers, die eine durch einen Eingriff entstandene Anomalie bereinigen, indem sie alles in ihrer Umgebung verschlingen. An anderer Stelle bricht beim Versuch, einen Fixpunkt zu ruinieren, die gesamte Zeit zusammen, sodass alle Ereignisse der Geschichte in einem einzigen Augenblick gleichzeitig stattfinden. Zu den Fixpunkten der Serie zählen die Zerstörung von Pompeji und der Tod des Doctors am Lake Silencio.

Erzählerisch löst der Fixpunkt ein hartnäckiges Problem der Zeitreise. Wenn eine Figur durch die Zeit reisen kann, warum verhindert sie dann nicht jede Tragödie, jeden Krieg, jeden Tod? Der Fixpunkt liefert die Antwort. Manche Dinge sind festgeschrieben, und das Wissen darum macht den Helden nicht allmächtig, sondern zwingt ihn zu schmerzhaften Entscheidungen. Die dramatische Spannung entsteht gerade aus der Ohnmacht gegenüber dem Unabänderlichen.

Das Motiv steht in der langen Tradition der Frage, ob die Zukunft offen oder vorbestimmt ist. Verwandte Konzepte sind das selbstkonsistente Zeitschleifen-Prinzip, bei dem jeder Reiseversuch ohnehin Teil der bereits geschehenen Geschichte ist, und der Gegenentwurf der verzweigenden Zeitlinien, in denen jede Veränderung ein neues Paralleluniversum erzeugt. Der Fixpunkt nimmt eine Mittelstellung ein: Die meiste Zeit ist formbar, aber an wenigen Knotenpunkten ist sie in Stein gemeißelt.

Reality-Check: Zeitreise in die Vergangenheit ist nach heutigem physikalischen Verständnis nicht möglich, und damit bleibt auch der Fixpunkt ein reines Erzählwerkzeug. Interessant ist aber, dass das Motiv eine Frage berührt, die Physiker tatsächlich diskutieren. Wenn Zeitreise je möglich wäre, müsste sie widerspruchsfrei sein, sonst entstünden Paradoxa. Der Fixpunkt ist die fiktionale Antwort auf dieses Problem, eine Welt, die sich selbst vor dem Widerspruch schützt, indem sie bestimmte Ereignisse einfach nicht verhandelbar macht.