Astronomie

Gravastern

Hypothetisches kompaktes Objekt als Alternative zum Schwarzen Loch, ohne Singularität und ohne Ereignishorizont.

Der Gravastern (Gravitational Vacuum Star) wurde 2001 von den Physikern Pawel Mazur und Emil Mottola als theoretische Alternative zum klassischen Schwarzen Loch vorgeschlagen. Im Gegensatz zu einem Schwarzen Loch besitzt ein Gravastern weder eine Singularität im Zentrum noch einen Ereignishorizont, jene beiden Eigenschaften, die der Physik die größten Kopfzerbrechen bereiten.

Das Modell postuliert, dass beim gravitativen Kollaps eines massereichen Sterns Quanteneffekte eine Art Phasenübergang der Raumzeit selbst auslösen, ähnlich wie Wasser zu Eis gefriert. Statt unaufhaltsam in eine Singularität zu stürzen, bildet sich im Inneren eine Blase aus dunkler Energie, umschlossen von einer extrem dünnen, festen Schale exotischer Materie. Von außen wäre ein solches Objekt durch sein Gravitationsfeld kaum von einem Schwarzen Loch gleicher Masse zu unterscheiden.

Gerade darin liegt der Reiz des Konzepts. Weil ein Gravastern keinen Ereignishorizont besitzt, könnte er das berühmte Informationsparadoxon Schwarzer Löcher umgehen, bei dem unklar ist, ob verschlungene Information für immer verloren geht. Bislang können die Bilder des Event Horizon Telescope von den Riesen M87 und Sagittarius A im Zentrum unserer Galaxie nicht eindeutig zwischen einem echten Schwarzen Loch und einem Gravastern unterscheiden. Künftige Messungen der Gravitationswellen, besonders des Nachklingens nach einer Verschmelzung, könnten den Unterschied jedoch verraten.

Für die Science-Fiction eröffnen Gravasterne, ähnlich wie Bosonensterne, erzählerische Möglichkeiten, die ein klassisches Schwarzes Loch verwehrt. Da es keinen Punkt ohne Wiederkehr gibt, könnte ein Raumschiff ein solches Objekt theoretisch erkunden und wieder verlassen, statt unweigerlich in der Singularität zu enden.

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