Konzept

Hopepunk

Hopepunk beschreibt optimistische Science Fiction und Fantasy, in der Freundlichkeit, Fürsorge und Widerstand gegen Zynismus als aktive Kraft erscheinen.

Hopepunk entstand als Begriff in den späten 2010er Jahren und wurde vor allem durch die Autorin Alexandra Rowland geprägt. Gemeint ist eine Erzählhaltung, die Hoffnung nicht als Naivität versteht, sondern als aktive Entscheidung gegen Zynismus, Grausamkeit und Resignation. In der Science Fiction ist Hopepunk besonders interessant, weil das Genre lange zwischen Fortschrittsglauben und Dystopie pendelte.

Der Begriff wird häufig mit Werken von Becky Chambers verbunden, besonders mit der Wayfarers-Reihe und 'A Psalm for the Wild-Built'. Dort entstehen Konflikte nicht immer aus Krieg, Herrschaft oder Untergang, sondern aus Verständigung, Alltagsarbeit, Sorge, Identität und dem Versuch, in einer großen, fremden Welt anständig zu leben. Hopepunk ist dabei nicht konfliktfrei. Der Ton nimmt Leid ernst, aber er erklärt Verhärtung nicht zur einzigen realistischen Antwort.

Als Gegenbewegung zu Grimdark und sehr düsterer Dystopie besitzt Hopepunk eine klare politische Färbung. Freundlichkeit wird nicht als weiches Gefühl dargestellt, sondern als Widerstandspraxis. Wer in einer kaputten Welt hilft, repariert, zuhört oder schützt, handelt gegen Systeme, die Menschen voneinander trennen. In Science Fiction kann diese Haltung besonders stark wirken, weil fremde Spezies, neue Gesellschaften und lange Zukunftsräume Alternativen sichtbar machen.

Für BuchKnall ist Hopepunk ein guter Knoten zwischen Dystopie, Solarpunk, Space Opera und Gegenwartserschöpfung. Der Begriff hilft Leserinnen und Lesern, Science Fiction zu finden, die nicht vor Konflikten flieht, aber auch nicht im Weltekel stecken bleibt. Gute Hopepunk-Geschichten wirken deshalb nicht süßlich. Sie erinnern daran, dass Hoffnung Arbeit ist.

Der Begriff ist zugleich nützlich und unscharf. Nicht jede freundliche Geschichte ist Hopepunk, und nicht jede optimistische Zukunft passt automatisch hinein. Entscheidend ist die Haltung, dass Fürsorge in einer feindlichen Welt Anstrengung kostet. Genau diese Spannung macht den Begriff für Leser hilfreich, die Science Fiction suchen, die nicht beschönigt, aber auch nicht erschöpft kapituliert.

Diesen Eintrag zitieren

Steffen Vogt: Hopepunk. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/hopepunk/ (abgerufen am 04.06.2026).