Spezies

Prawns (District 9)

Gestrandete Aliens in Johannesburg, interniert in Slums und behandelt wie Bürger zweiter Klasse.

Spoiler-Warnung: Dieser Eintrag enthält Handlungsdetails aus District 9.

Die »Prawns« (ein abwertender Slang-Begriff, den die menschliche Bevölkerung verwendet) sind eine insektoide Alienspezies, die in Neill Blomkamps Film District 9 (2009) gestrandet über Johannesburg schwebt. Ihr Mutterschiff ist funktionsunfähig, und die über eine Million Aliens an Bord werden in einem bewachten Slum namens District 9 interniert. Sie sind unterernährt, ausgebeutet und von der menschlichen Gesellschaft verachtet.

Die Parallele zur Apartheid ist kein Subtext, sondern der Text selbst. Blomkamp wuchs im Südafrika der Post-Apartheid auf und nutzte das SF-Setting, um die Mechanismen von Segregation, Entmenschlichung und bürokratischer Gewalt sichtbar zu machen. District 9 liegt geografisch dort, wo einst das reale District Six in Kapstadt war, ein Viertel, das während der Apartheid zwangsgeräumt wurde. Die Interviews im Mockumentary-Stil des Films erinnern bewusst an Archivaufnahmen aus dieser Zeit.

Der Protagonist Wikus van de Merwe (gespielt von Sharlto Copley) ist kein Held, sondern ein mittelmäßiger Bürokrat, der die Prawns zunächst selbst verachtet. Als er sich durch Kontakt mit einer Alien-Substanz langsam in einen Prawn verwandelt, wird er zum Gejagten: wertvoll für militärische Experimente, weil nur seine Hybrid-DNA die Alien-Waffen aktivieren kann. Seine Verwandlung ist sowohl körperlicher Horror als auch erzwungene Empathie.

District 9 wurde für vier Oscars nominiert, darunter Bester Film, was für einen Science-Fiction-Film mit einem Budget von 30 Millionen Dollar bemerkenswert war. Peter Jackson produzierte den Film, nachdem die geplante Halo-Verfilmung gescheitert war. Die Prawns zeigen, dass die wirkungsvollsten Alien-Darstellungen der SF nicht die sind, die uns das Fremde zeigen, sondern die, die uns in den Aliens uns selbst erkennen lassen.

Gerade weil District 9 das Fremde nutzt, um auf das Vertraute zu zeigen, gehört der Film zu den stärksten Beispielen für die gesellschaftskritische Kraft der Science-Fiction. Die Prawns sind keine Metapher für eine ferne Bedrohung, sondern ein Spiegel für reale Mechanismen aus Ausgrenzung, Vorurteil und staatlicher Gewalt. Dass der zunächst empathielose Wikus erst durch die eigene Verwandlung lernt, die Aliens als fühlende Wesen zu sehen, macht aus dem Film ein eindringliches Plädoyer dafür, dass Mitgefühl oft erst dort beginnt, wo man die Perspektive des anderen am eigenen Leib erfährt.

Diesen Eintrag zitieren

Prawns (District 9). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/prawns-district9/ (abgerufen am 04.06.2026).

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