Astrobiologie

Shadow Biosphere

Die Hypothese, dass auf der Erde eine zweite, unentdeckte Form von Leben existieren könnte, biochemisch so anders, dass unsere Tests sie nicht erkennen.

Was ist Shadow Biosphere?

Die Hypothese, dass auf der Erde eine zweite, unentdeckte Form von Leben existieren könnte, biochemisch so anders, dass unsere Tests sie nicht erkennen.

2007 prägte die Astrobiologen Carol Cleland und Shelley Copley den Begriff 'Shadow Biosphere': eine hypothetische Biosphäre auf der Erde, die von Organismen gebildet wird, deren Biochemie so fundamental anders ist, dass sie von standardmäßigen mikrobiologischen Methoden nicht erfasst werden. Unsere Labortests suchen nach DNA, RNA, Proteinen und bekannten Stoffwechselprodukten, ein Organismus mit völlig anderer Molekularbiologie würde durch jedes Raster fallen.

Die Idee ist weniger abwegig als sie klingt: Über 99 % aller Mikroorganismen der Erde lassen sich nicht im Labor kultivieren. In extremen Umgebungen wie Tiefseesedimenten, heißen Quellen oder tief im Gestein finden Forscher regelmäßig DNA-Sequenzen, die keinem bekannten Lebewesen zugeordnet werden können.

Praktische Bedeutung für die Astrobiologie: Wenn wir nicht einmal sicher sind, alle Lebensformen auf der Erde zu kennen, wie zuverlässig sind dann unsere Instrumente bei der Suche nach Leben auf dem Mars oder Europa? Die Shadow-Biosphere-Hypothese mahnt, Detektionsmethoden nicht zu eng auf irdische Biochemie zuzuschneiden.

Michael Crichtons The Andromeda Strain (1969) spielt mit genau dieser Angst: Ein Mikroorganismus mit unbekannter Biochemie, für den keine Gegenmaßnahme existiert.