Astronomie

Synchrotronstrahlung

Elektromagnetische Strahlung, die entsteht, wenn geladene Teilchen in Magnetfeldern auf gekrümmte Bahnen abgelenkt werden.

Synchrotronstrahlung ist elektromagnetische Strahlung, die von geladenen Teilchen (typischerweise Elektronen) abgegeben wird, wenn sie sich in einem Magnetfeld auf gekrümmten Bahnen bewegen. Bei relativistischen Geschwindigkeiten (nahe der Lichtgeschwindigkeit) wird diese Strahlung stark gebündelt und in Bewegungsrichtung abgestrahlt, wie das Licht eines Leuchtturms.

Der Name stammt vom Synchrotron, einem Teilchenbeschleuniger, in dem das Phänomen 1947 erstmals beobachtet wurde. In der Astronomie ist Synchrotronstrahlung eine der wichtigsten Emissionsarten. Sie verrät die Anwesenheit starker Magnetfelder und hochenergetischer Teilchen. Pulsare, aktive Galaxienkerne (AGN), Supernovaüberreste und Radiogalaxien strahlen Synchrotronstrahlung ab, die sich über das gesamte elektromagnetische Spektrum erstrecken kann.

Charakteristisch für Synchrotronstrahlung ist ihr breites, glattes Spektrum (im Gegensatz zu den scharfen Linien thermischer Strahlung) und ihre starke Polarisation. Radioastronomen nutzen diese Merkmale, um Synchrotronquellen von thermischen Quellen zu unterscheiden. In Pulsaren werden Elektronen im extrem starken Magnetfeld (10⁸ bis 10¹² Tesla) auf spiralförmige Bahnen gezwungen und strahlen gebündelte Synchrotronpulse ab, die als periodische Radiosignale beobachtet werden.

Auf der Erde wird Synchrotronstrahlung gezielt in Teilchenbeschleunigern erzeugt und als hochintensive Röntgenquelle für die Materialforschung, Biologie und Medizin genutzt. In der Science-Fiction taucht Synchrotronstrahlung als Nebeneffekt hochenergetischer Antriebe oder als Waffe auf, etwa in Peter Watts' Echopraxia.

Die praktische Bedeutung von Synchrotronstrahlung auf der Erde ist enorm. Synchrotronquellen wie der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) in Grenoble und DESY in Hamburg sind keine Forschungseinrichtungen für Physiker allein. Ihre intensive, fokussierte Röntgenstrahlung ermöglicht die Strukturbestimmung von Proteinen und Enzymen (damit die Entwicklung neuer Medikamente), die Analyse von Materialien auf atomarer Ebene, die nicht-invasive Untersuchung von Kunstwerken und archäologischen Funden, und die Inspektion von Halbleitern. Ohne Synchrotronlicht wäre ein großer Teil moderner Medizin und Materialwissenschaft nicht möglich.

Astronomisch ist Synchrotronstrahlung ein Diagnose-Werkzeug für extreme Umgebungen. Wo Synchrotronstrahlung beobachtet wird, sind starke Magnetfelder und hochenergetische Teilchen vorhanden. Das weist auf Objekte wie Pulsare, Supernova-Überreste, aktive Galaxienkerne und Jetquellen hin. Der M87-Jet, der aus dem aktiven Kern dieser Riesengalaxie schießt, leuchtet in Synchrotronstrahlung, und das Event Horizon Telescope hat gezeigt, dass dieser Jet direkt am Magnetfeld des schwarzen Lochs Sagittarius A* und M87 entsteht.