Akzelerationismus
Philosophische Strömung, die radikale Beschleunigung technologischer und ökonomischer Prozesse fordert, eng verbunden mit Cyberpunk-Ästhetik.
Akzelerationismus ist eine philosophische Strömung, die technologische und sozioökonomische Prozesse nicht bremsen, sondern radikal beschleunigen will. Der Begriff wurde von Benjamin Noys geprägt, um eine Denkrichtung zu beschreiben, die in den 1990er Jahren am CCRU (Cybernetic Culture Research Unit) der University of Warwick entstand.
Die Bewegung teilt sich in zwei gegensätzliche Flügel. Der rechte Akzelerationismus, vor allem mit Nick Land assoziiert, betrachtet den Kapitalismus als kosmische Kraft, die sich durch menschliche Gesellschaften hindurch selbst beschleunigt und letztlich in einer technologischen Singularität münden soll. Land verbindet diese Idee mit Cyberpunk-Ästhetik und einer bewusst provokativen Absage an humanistische Werte. Der linke Akzelerationismus, formuliert von Nick Srnicek und Alex Williams in ihrem Manifest von 2013, will die technologische Dynamik des Kapitalismus für post-kapitalistische Ziele einspannen: Vollautomatisierung, universelles Grundeinkommen und die Befreiung der Menschheit von entfremdeter Arbeit.
Für die Science-Fiction ist der Akzelerationismus in mehrfacher Hinsicht relevant. Die Cyberpunk-Literatur der 1980er Jahre (William Gibson, Bruce Sterling) nahm viele akzelerationistische Motive vorweg: die Verschmelzung von Mensch und Technologie, die Dominanz der Konzerne, die Auflösung traditioneller Gesellschaftsstrukturen durch technologischen Wandel. Umgekehrt greifen akzelerationistische Denker intensiv auf SciFi-Motive zurück. Nick Lands Texte lesen sich teilweise selbst wie Science-Fiction. Die Frage, ob technologischer Fortschritt kontrolliert werden kann oder ob er eine Eigendynamik entwickelt, die menschliche Steuerungsversuche überrollt, gehört zu den zentralen Themen der modernen Science-Fiction.
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