Androidenrechte
Die Frage, ob künstliche Wesen Grundrechte besitzen, gehört zu den drängendsten ethischen Debatten der Science-Fiction und wird mit zunehmender KI-Entwicklung auch in der realen Jurisprudenz diskutiert.
Wenn eine Maschine denkt, fühlt und leidet, hat sie dann Rechte? Die Science-Fiction beschäftigt sich mit dieser Frage seit Karel Capeks Theaterstück R.U.R. (1920), in dem künstliche Arbeiter sich gegen ihre Schöpfer erheben, weil sie als Sklaven behandelt werden. Capek erfand das Wort Roboter (vom tschechischen 'robota', Fronarbeit), und die Rechtsfrage war von Anfang an eingebaut: Wer Arbeitskraft schafft, die denken kann, schafft gleichzeitig ein moralisches Problem.
Isaac Asimov formulierte 1942 seine Drei Gesetze der Robotik als Versuch, das Problem technisch zu lösen: Roboter werden so gebaut, dass sie Menschen nicht verletzen können. Aber Asimovs eigene Geschichten zeigen systematisch, warum diese Lösung nicht funktioniert. Die Gesetze schaffen Konflikte, Paradoxien und Lücken, die Roboter in unmögliche Situationen treiben. Der Roman The Bicentennial Man (1976) erzählt von einem Roboter, der 200 Jahre lang dafür kämpft, als Mensch anerkannt zu werden, Stück für Stück seine mechanischen Teile durch biologische ersetzt und am Ende stirbt, um seine Menschlichkeit zu beweisen.
Philip K. Dick verschärfte die Frage in Do Androids Dream of Electric Sheep? (1968): Wenn Androiden nicht mehr von Menschen unterscheidbar sind und Empathie zeigen können, ist die Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine dann überhaupt noch sinnvoll? Ridley Scotts Blade Runner (1982) machte diese Frage zum visuellen Erlebnis: Roy Batty, ein Replikant mit vierjähriger Lebensspanne, ist empathischer, poetischer und lebendiger als die meisten Menschen im Film.
In der aktuellen Science-Fiction hat sich die Debatte weiterentwickelt. Ann Leckies Imperial-Radch-Trilogie (2013-2015) erzählt aus der Perspektive einer KI, deren Ancillaries (menschliche Körper, die von der KI gesteuert werden) die Grenze zwischen Sklaverei und Werkzeug verwischen. Martha Wells' Murderbot Diaries zeigen einen Sicherheitsroboter, der sein Steuerungsmodul gehackt hat und mit der Freiheit nicht umgehen kann, weil niemand ihm beigebracht hat, eine Person zu sein.
In der realen Rechtswissenschaft existiert die Debatte ebenfalls. Das Europäische Parlament diskutierte 2017 einen Entwurf, der 'elektronische Persönlichkeit' für fortgeschrittene Roboter vorschlug, zog den Vorschlag aber zurück. Saudi-Arabien verlieh 2017 dem Roboter Sophia die Staatsbürgerschaft, was als PR-Stunt kritisiert wurde. Die juristische Kernfrage lautet: Braucht man Bewusstsein, um Rechtsträger zu sein? Unternehmen und Staaten sind Rechtsträger ohne Bewusstsein. Warum sollte eine KI nicht ebenso Rechtsträger sein können?
Die Science-Fiction liefert keine Antwort, aber sie klärt die Frage. Sie zeigt, welche Konsequenzen verschiedene Positionen haben: eine Welt, in der KIs als Werkzeuge gelten (Blade Runner, Westworld), eine Welt, in der sie als Bürger leben (Becky Chambers' Monk-and-Robot-Bücher), und die Übergangsphasen dazwischen, in denen das Rechtssystem mit einer Realität konfrontiert wird, für die es nicht gemacht wurde.
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