Konzept

Anthropozän in der Science-Fiction

Das Zeitalter, in dem die Menschheit zur geologischen Kraft geworden ist: Die Science-Fiction verarbeitet diese Erkenntnis in Klimakatastrophen, Terraforming-Projekten und der Frage, ob der Planet uns überlebt oder wir ihn.

Der Begriff Anthropozän wurde vom Nobelpreisträger Paul Crutzen im Jahr 2000 vorgeschlagen, um das gegenwärtige geologische Zeitalter zu benennen, in dem menschliche Aktivität die dominante Kraft bei der Veränderung der Erdoberfläche, der Atmosphäre und der Biosphäre geworden ist. Die Internationale Geologische Union diskutiert seit Jahren über die formale Anerkennung, aber in der Kulturwissenschaft und der Literatur hat sich der Begriff längst durchgesetzt.

Die Science-Fiction hat das Anthropozän verarbeitet, bevor es einen Namen hatte. J.G. Ballards Romane The Drowned World (1962), The Burning World (1964) und The Crystal World (1966) zeigen eine Erde, die durch Umweltkatastrophen unbewohnbar wird. Ballard interessierte sich weniger für die technischen Ursachen als für die psychologische Reaktion: Seine Protagonisten passen sich den veränderten Bedingungen an, anstatt dagegen zu kämpfen, und finden in der Zerstörung eine beunruhigende Schönheit.

Kim Stanley Robinson ist der wichtigste zeitgenössische Autor für Anthropozän-Science-Fiction. Seine Mars-Trilogie (1992-1996) beschreibt die Terraformierung des Mars als bewusstes Anthropozän: Die Menschheit macht einen toten Planeten bewohnbar und wiederholt dabei alle Fehler und Konflikte, die sie auf der Erde gemacht hat. Sein Roman The Ministry for the Future (2020) geht den umgekehrten Weg und beschreibt die nächsten Jahrzehnte der Erdgeschichte als realistisches Szenario: Hitzewellen, die Millionen töten, geoengineering-Projekte, soziale Umwälzungen und die langsame, schmerzhafte Transformation der globalen Wirtschaft.

Paolo Bacigalupis The Water Knife (2015) und The Windup Girl (2009) zeigen Anthropozän-Szenarien in der nahen Zukunft: Wasserkriege im amerikanischen Südwesten und eine Welt nach dem Zusammenbruch der industriellen Landwirtschaft. Bacigalupis Stärke liegt in der politischen Dimension: Seine Geschichten handeln von Menschen, die in einem System gefangen sind, das sie gleichzeitig zerstört und am Leben hält.

N.K. Jemisins Broken-Earth-Trilogie (2015-2017, drei Hugo Awards) verlagert das Anthropozän in eine weit entfernte Zukunft, in der die Erde (hier: die Stille) regelmäßig von tektonischen Katastrophen heimgesucht wird, die ganze Zivilisationen auslöschen. Die Orogenen, Menschen mit der Fähigkeit, seismische Energie zu kontrollieren, werden als Waffen und Werkzeuge missbraucht. Jemisin verknüpft die geologische Gewalt des Planeten mit der sozialen Gewalt der Unterdrückung und schafft eine Allegorie, die Umweltzerstörung und Rassismus als Symptome desselben Systems zeigt.

Das Anthropozän stellt die Science-Fiction vor eine erzählerische Herausforderung: Wie schreibt man spannende Geschichten über langsame, systemische Prozesse? Klimawandel hat keinen Bösewicht, kein Alien, keinen Schalter, den man umlegen kann. Die besten Anthropozän-Romane lösen dieses Problem, indem sie persönliche Geschichten vor dem Hintergrund der großen Veränderung erzählen und die politischen, sozialen und emotionalen Dimensionen sichtbar machen, die in wissenschaftlichen Berichten fehlen.