Persönlichkeit

Aliette de Bodard

Aliette de Bodard ist eine französisch-vietnamesische Autorin, deren Xuya-Universum Space Opera mit vietnamesisch geprägten Familien- und Gedächtnisstrukturen verbindet.

Aliette de Bodard wurde 1982 in den USA geboren, wuchs in Frankreich auf und schreibt auf Englisch. Ihre Herkunft aus einer französisch-vietnamesischen Familie prägt viele ihrer bekanntesten Texte. Sie gehört zu den Autorinnen, die Space Opera, Alternativgeschichte, Fantasy und spekulative Familiengeschichten aus nichtwestlichen Perspektiven neu gewichten. Ihr Werk ist mehrfach mit wichtigen Genrepreisen ausgezeichnet worden, darunter Nebula, Locus und British Science Fiction Association Award.

Besonders bekannt ist ihr Xuya-Universum. Es entwirft eine alternative Zukunft, in der vietnamesisch und chinesisch geprägte Machtstrukturen, Ahnenverehrung, Familienloyalität und Raumfahrt zusammengehören. Texte wie 'On a Red Station, Drifting' von 2012, 'The Citadel of Weeping Pearls' von 2015 und 'The Tea Master and the Detective' von 2018 zeigen Mindships, Gedächtnisarchive, imperiale Diplomatie und soziale Verpflichtungen. Die Raumfahrt ist dort eng mit Verwandtschaft, Ritual und politischer Erinnerung verbunden.

Mit 'The House of Shattered Wings' gewann de Bodard 2015 den BSFA Award und den Nebula Award. Der Roman eröffnet die Dominion-of-the-Fallen-Reihe und spielt in einem verwüsteten alternativen Paris, in dem gefallene Engel, Magie, Kolonialgeschichte und Machtkämpfe ineinandergreifen. Obwohl diese Reihe stärker Fantasy ist, zeigt sie dieselbe Präzision im Umgang mit beschädigten Institutionen und Familienstrukturen.

De Bodards Bedeutung liegt in der Verbindung aus Genrehandwerk und kultureller Umcodierung. Ihre Texte verwenden vertraute Formen wie Space Opera, Detektivgeschichte oder höfische Intrige, verschieben aber deren soziale Grundannahmen. Macht entsteht nicht nur durch Flotten und Imperien, sondern durch Ahnen, Verpflichtungen, Küche, Sprache und Erinnerung. Dadurch wirken ihre Zukunftsräume konkret und anders gewichtet als viele klassische angelsächsische SF-Modelle.

Auffällig ist auch ihr Umgang mit künstlichen Intelligenzen. Die Mindships im Xuya-Universum sind keine neutralen Bordcomputer, sondern soziale Wesen mit Loyalitäten, Verletzungen und familiären Bindungen. Damit verschiebt de Bodard die übliche KI-Frage: Entscheidend ist nicht allein, ob eine Maschine Bewusstsein besitzt, sondern in welche Verwandtschafts-, Dienst- und Erinnerungssysteme sie eingebunden ist.

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Aliette de Bodard. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/aliette-de-bodard/ (abgerufen am 06.06.2026).