All Tomorrow's Parties
William Gibsons All Tomorrow's Parties schließt die Bridge-Trilogie ab und verbindet San Francisco, Nanotechnologie und Colin Laneys Gespür für nodale Punkte.
William Gibsons 'All Tomorrow's Parties' erschien 1999 und ist der dritte Roman der Bridge-Trilogie nach 'Virtual Light' von 1993 und 'Idoru' von 1996. Der Titel verweist auf den Song von The Velvet Underground. Die Handlung führt verschiedene Figuren aus den vorherigen Romanen zusammen, besonders Colin Laney, der in Datenströmen sogenannte nodale Punkte erkennt: Momente, an denen historische Entwicklungen kippen können.
Der zentrale Schauplatz ist die Bay Bridge in San Francisco, die nach einem Erdbeben zu einer informellen, dicht bewohnten Brückenstadt geworden ist. Gibson nutzt diesen Ort als Gegenbild zu glatten Konzernräumen. Die Brücke ist improvisiert, sozial vielschichtig, illegal und lebendig. Sie wirkt wie ein analoges Netzwerk aus Menschen, Waren, Gerüchten und Überlebensstrategien. Gerade in dieser Umgebung wird der kommende technologische Umbruch spürbar.
Nanotechnologie bildet den entscheidenden Zukunftskeim. Der Konzernmagnat Cody Harwood plant eine kontrollierte Transformation, doch die Technik entzieht sich einfachen Besitzlogiken. Gibson beschreibt weniger technische Details als atmosphärische Vorboten: Datenmuster, Marken, Körper, Stadtfragmente und ökonomische Gewalt. Der Cyberpunk der frühen Matrix-Ära wird hier zu einer SF der nahen sozialen Oberflächen.
'All Tomorrow's Parties' ist ein leiserer Abschluss als viele Trilogiefinale. Der Roman interessiert sich für Schwellenmomente, nicht für große Schlachten. Er zeigt eine Welt kurz vor der Veränderung, in der niemand den vollständigen Plan besitzt. Gibsons Stärke liegt in der Wahrnehmung von Gegenwart als Vorzukunft: Die Zukunft kommt nicht als Raumschiff, sondern als Konsumprodukt, Datenanomalie und städtische Verschiebung.
Innerhalb von Gibsons Werk markiert der Roman auch einen Übergang. Der klassische Cyberspace der Sprawl-Trilogie tritt zurück, während Globalisierung, Marken, Medienoberflächen und urbane Mikrostrukturen wichtiger werden. Zukunft ist bei Gibson Ende der 1990er Jahre nicht mehr der ferne Datenraum, sondern ein Muster, das schon in der Gegenwart zu flackern beginnt.
Die Figur Rei Toei, die virtuelle Sängerin aus 'Idoru', spielt ebenfalls in diesen Zusammenhang hinein. Gibson behandelt Popstars, Datenwesen und Marken nicht als Nebenschauplätze, sondern als Orte, an denen Wirklichkeit produziert wird. In 'All Tomorrow's Parties' wird Kultur selbst zu einer Vorhersagemaschine, die technische Veränderung vorbereitet.
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All Tomorrow's Parties. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/all-tomorrows-parties/ (abgerufen am 07.06.2026).
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