2312
Kim Stanley Robinsons 2312 entwirft ein besiedeltes Sonnensystem des 24. Jahrhunderts mit Terraforming, Asteroidenhabitaten und politischer Zersplitterung.
Kim Stanley Robinsons '2312' erschien 2012 und gewann den Nebula Award. Der Roman spielt im 24. Jahrhundert in einem weitgehend erschlossenen Sonnensystem. Merkur, Venus, Mars, die Monde der äußeren Planeten und zahlreiche Asteroiden sind Teil einer komplexen menschlichen Zivilisation. Die Erde bleibt überbevölkert, ökologisch beschädigt und politisch schwerfällig, während andere Lebensräume experimentellere Gesellschaftsformen entwickeln.
Im Zentrum steht Swan Er Hong, eine Künstlerin und Designerin von Terraforming- und Habitatprojekten. Nach dem Tod ihrer Großmutter Alex gerät Swan in politische Intrigen, Anschläge und systemische Konflikte. Robinson nutzt die Handlung, um das Sonnensystem als dichtes Netz aus Ökologie, Ökonomie, Geschlechtervielfalt, Körpermodifikation und Infrastruktur zu zeigen. Die Terraria, ausgehöhlte Asteroiden mit künstlichen Ökosystemen, gehören zu den einprägsamsten Ideen des Romans.
'2312' ist keine schnelle Space Opera mit klaren Fronten. Robinson arbeitet mit Einschüben, Listen, Quantencomputer-Andeutungen, politischen Analysen und langen Beschreibungen planetarer Umwelten. Das Buch steht in Nähe seiner Mars-Trilogie, erweitert den Maßstab aber auf das ganze Sonnensystem. Terraforming ist hier kein einzelnes Wunderprojekt, sondern ein Feld aus Kunst, Biologie, Klimapolitik und sozialer Planung.
Besonders stark ist die Spannung zwischen Expansion und Erde. Die Menschheit hat gelernt, Asteroiden zu bewohnen und Planeten zu verändern, aber die alte Heimat bleibt verwundet. Robinson vermeidet die Fantasie, dass Raumfahrt irdische Probleme automatisch löst. '2312' zeigt ein reiches, widersprüchliches Sonnensystem, in dem Fortschritt ungleich verteilt ist und ökologische Schuld nicht verschwindet, nur weil Menschen weiter hinausgehen.
Der Roman ist außerdem bemerkenswert offen im Umgang mit Geschlecht und Körper. Viele Menschen des Jahres 2312 leben mit veränderten Körpern, längeren Lebensspannen und fluideren Identitäten. Diese Aspekte werden nicht als isolierte Sensation behandelt, sondern als Teil einer breiteren Zivilisation, die ihre Biologie, ihre Habitate und ihre sozialen Formen gleichzeitig umbaut.
Die Stadt Terminator auf Merkur gehört zu den stärksten Bildern des Buches. Sie bewegt sich auf Schienen vor der tödlichen Sonnenhitze her und macht planetare Rotation unmittelbar städtisch erfahrbar. Robinsons Sonnensystem besteht aus solchen konkreten Anpassungen: Jede Welt erzwingt eine andere Architektur, eine andere Politik und einen anderen Körperalltag.
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2312. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/2312-roman/ (abgerufen am 07.06.2026).
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