Konzept

Arcology

Eine Stadt in einem einzigen Gebäude: Das Konzept verbindet Architektur und Ökologie zu selbstversorgenden Megastrukturen, die Millionen Menschen auf minimalem Grundriss beherbergen.

Der italienisch-amerikanische Architekt Paolo Soleri prägte 1969 den Begriff 'Arcology' als Verschmelzung von Architecture und Ecology. Sein Buch 'Arcology: The City in the Image of Man' entwarf Städte, die sich vertikal statt horizontal ausbreiten und dabei geschlossene Kreisläufe für Energie, Wasser und Nahrung nutzen. Soleri baute ab 1970 an Arcosanti in der Wüste Arizonas, einer Modellstadt, die seine Ideen in kleinem Maßstab umsetzen sollte. Das Projekt existiert bis heute, blieb aber weit hinter Soleris Vision zurück.

In der Science Fiction wurden Arcologien schnell zum Standardelement urbaner Zukunftsentwürfe. J.G. Ballards High-Rise (1975) beschreibt ein einzelnes Hochhaus als Mikrokosmos, in dem die Gesellschaft zusammenbricht. Larry Nivens und Jerry Pournelles Eidbruch (Oath of Fealty, 1981) erzählt von einer Arcology namens Todos Santos in Los Angeles, die als utopische Enklave in einer verfallenden Stadt funktioniert. William Gibsons Bridge-Trilogie zeigt die Golden Gate Bridge als improvisierte Arcology, besiedelt von Squattern und Schwarzmarkt-Händlern.

Das Konzept hat praktische Vorteile. Eine Arcology reduziert den Flächenverbrauch drastisch, eliminiert Pendlerverkehr (Wohnung, Arbeitsplatz und Versorgung sind im selben Gebäude), und ermöglicht effiziente Kreislaufwirtschaft. Abwärme der unteren Stockwerke heizt die oberen, Grauwasser wird zu Bewässerung recycelt, vertikale Farmen produzieren Nahrung vor Ort.

Die Probleme sind ebenso offensichtlich. Arcologien konzentrieren Macht bei denen, die das Gebäude kontrollieren. Die Abhängigkeit von zentralen Versorgungssystemen macht sie anfällig für Ausfälle. Und die soziale Dynamik eines geschlossenen Systems tendiert zur Stratifikation: Wer oben wohnt (bessere Luft, mehr Licht), hat mehr Status als wer unten lebt. Dieses Muster nutzen Filme wie Dredd (2012, die Megablocks von Mega-City One) und Spiele wie SimCity, das Arcologien als Endgame-Gebäude einführte.

Reale Projekte nähern sich dem Konzept an, ohne den Namen zu verwenden. Saudi-Arabiens NEOM-Projekt 'The Line' plant eine 170 Kilometer lange, 200 Meter breite und 500 Meter hohe lineare Stadt für 9 Millionen Einwohner. Ob das Projekt jemals fertiggestellt wird, ist fraglich, aber es zeigt, dass die Idee der Arcology von der Science Fiction in die Architekturplanung gewandert ist.