Cordwainer Smith
Pseudonym von Paul Linebarger, dessen Zukunftsgeschichte zu den eigenwilligsten und poetischsten Entwürfen der Science Fiction zählt.
Cordwainer Smith war das Pseudonym von Paul Myron Anthony Linebarger, geboren 1913, gestorben 1966. Linebarger war Sinologe, Experte für psychologische Kriegsführung und Berater im politischen Umfeld der USA. Unter dem Namen Cordwainer Smith schrieb er eine der unverwechselbarsten Zukunftsgeschichten der Science Fiction, gesammelt unter Titeln wie 'The Rediscovery of Man'.
Seine Geschichten spielen in einer fernen Zukunft der Instrumentality of Mankind. Die Menschheit wird von einer fast aristokratischen Verwaltung gelenkt, Raumreisen erfolgen über gefährliche und bewusstseinsverändernde Verfahren, und die sogenannten Underpeople, aus Tieren gezüchtete menschenähnliche Wesen, leben als entrechtete Diener. Texte wie 'Scanners Live in Vain' von 1950, 'The Ballad of Lost C'Mell' von 1962 und der Roman 'Norstrilia' zeigen diese Welt aus sehr unterschiedlichen Winkeln.
Smiths Stil ist ungewöhnlich. Er klingt oft wie Legende, Märchen oder mündlich überlieferte Chronik, nicht wie technische SF. Namen, Rituale und Andeutungen erzeugen Tiefe, ohne alles systematisch auszuerklären. Chinesische Erzähltraditionen, christliche Motive, Tierfabeln und Space Opera fließen zusammen. Dadurch wirkt seine Zukunft zugleich archaisch und posthuman.
Sein Werk ist für moderne SF wichtig, weil es zeigt, dass große Zukunftsentwürfe nicht trocken sein müssen. Die Instrumentality ist keine einfache Utopie oder Dystopie, sondern eine Ordnung aus Grausamkeit, Eleganz, Fürsorge und Kontrolle. Smith beeinflusste Autorinnen und Autoren, die ferne Zukunft nicht nur als Technikraum, sondern als Mythologie begreifen.
Die Underpeople gehören zu Smiths dauerhaftesten Motiven. Figuren wie C'Mell, eine aus Katzenmaterial hervorgegangene Frau, machen die Frage nach Menschenwürde in einer posthumanen Ordnung konkret. Die Instrumentality kann Leid lindern und Gesellschaft stabilisieren, hält aber ganze Gruppen rechtlos. Smiths ferne Zukunft ist deshalb moralisch gespalten: hochentwickelt, schön, grausam und religiös aufgeladen.
Biografisch ist Linebargers China-Kompetenz wichtig. Er wuchs teilweise in China auf, war Patenkind von Sun Yat-sen und schrieb später ein Standardwerk über psychologische Kriegsführung. Diese Mischung erklärt den fremden Ton seiner SF. Sie wirkt nicht wie amerikanische Ingenieursliteratur, sondern wie eine Chronik aus einer anderen Zivilisation. Seine Geschichten sind oft kurz, aber sie lassen einen riesigen Hintergrund spüren.
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Cordwainer Smith. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/cordwainer-smith-autor/ (abgerufen am 05.06.2026).
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