Core Accretion
Core Accretion ist ein Modell der Planetenentstehung, bei dem zuerst feste Kerne wachsen und später Gas oder Eis anziehen.
Core Accretion, auf Deutsch Kernakkretion, ist das führende Modell für die Entstehung vieler Planeten. In einer protoplanetaren Scheibe lagern sich Staubkörner zu größeren Partikeln, Planetesimalen und Protoplaneten zusammen. Wenn ein fester Kern genügend Masse erreicht, kann er weiteres Material anziehen. Bei Gasriesen kann ein massereicher Kern schließlich große Mengen Wasserstoff und Helium aus der Scheibe binden, solange diese noch vorhanden ist.
Das Modell erklärt gut, warum Gasriesen schnell genug entstehen müssen, bevor das Gas der protoplanetaren Scheibe durch Strahlung und Sternwind verschwindet. Es erklärt auch, warum feste Planeten, Eisriesen und Gasriesen unterschiedliche Zusammensetzungen besitzen. Die Position relativ zur Schneegrenze ist wichtig: Jenseits davon können Eis und flüchtige Stoffe die Masse fester Kerne schneller erhöhen. Dadurch entstehen dort leichter Kerne, die Gas einfangen können.
Core Accretion konkurriert in manchen Bereichen mit dem Modell der Gravitationsinstabilität, bei dem Teile einer Scheibe direkt kollabieren könnten. Wahrscheinlich spielen je nach System verschiedene Prozesse unterschiedlich starke Rollen. Exoplanetenforschung hat das Feld komplizierter gemacht: Hot Jupiters, Super-Erden, Mini-Neptune und kompakte Systeme zeigen, dass Migration, Scheibendynamik und spätere Wechselwirkungen entscheidend sind.
Für Science Fiction ist Core Accretion nützlich, wenn Planetensysteme glaubwürdig entworfen werden sollen. Die Verteilung von Gesteinsplaneten, Gasriesen, Asteroidengürteln und Wasserwelten hängt an der Entstehungsgeschichte. Eine bewohnbare Welt ist nicht nur ein Punkt in der habitablen Zone. Sie ist Ergebnis von Scheibenchemie, Kollisionen, Migration und Zufall.
Auch für Rohstoff- und Kolonisierungsgeschichten zählt das. Systeme mit vielen wasserreichen Körpern, metallischen Planetesimalen oder migrierten Gasriesen bieten andere Chancen und Gefahren. Core Accretion macht Exoplaneten-Weltenbau robuster. Wer versteht, wie Planeten wachsen, kann besser erzählen, welche Welten dort plausibel existieren.
Das Modell macht auch Migration plausibler. Ein Gasriese muss nicht dort bleiben, wo er entsteht. Wenn er wandert, kann er innere Planeten zerstören, Asteroidengürtel formen oder Wasserlieferungen verändern. Entstehung und spätere Architektur gehören zusammen.
Diesen Eintrag zitieren
Core Accretion. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/core-accretion/ (abgerufen am 04.06.2026).
Verwandte Begriffe