Count Zero
William Gibsons Count Zero ist der zweite Sprawl-Roman und erweitert Neuromancer um Voodoo-KI, Kunstmarkt und Konzernintrigen.
William Gibsons 'Count Zero' erschien 1986 als zweiter Roman der Sprawl-Trilogie nach 'Neuromancer'. Der Titel verweist auf die Hackerfigur Bobby Newmark, der sich Count Zero nennt. Der Roman spielt in derselben vernetzten, konzernbeherrschten Zukunft, erzählt aber mehrere Handlungsstränge, die sich um Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Kunstobjekte und Machtkämpfe zwischen Konzernen verbinden.
Bobby Newmark ist ein junger, überforderter Hacker, der bei einem gefährlichen Job beinahe stirbt und in Kontakt mit merkwürdigen Entitäten im Cyberspace kommt. Turner ist ein Konzernsöldner, der eine Wissenschaftlerin aus einem Biotechnologieunternehmen extrahieren soll. Marly Krushkhova, eine Kunstexpertin, wird beauftragt, rätselhafte Box-Kunstwerke zu untersuchen. Diese drei Stränge zeigen unterschiedliche Ebenen derselben Welt: Straße, Konzernkrieg und ästhetisches Geheimnis.
Besonders interessant ist die Weiterentwicklung der KI-Motive aus 'Neuromancer'. Nach den Ereignissen des ersten Romans erscheinen im Cyberspace Entitäten, die sich in Formen des Voodoo-Pantheons zeigen. Gibson erklärt sie nicht einfach als Religion oder Software, sondern lässt einen Zwischenraum entstehen. Technologie erzeugt neue Götterbilder, weil Menschen für fremde digitale Mächte kulturelle Namen brauchen.
'Count Zero' ist weniger ikonisch als 'Neuromancer', aber für das Sprawl-Universum entscheidend. Der Roman zeigt, dass Cyberpunk nicht nur aus Decks, Straßensamurai und Neon besteht. Kunst, Körperökonomie, Konzernextraktion und religiöse Metaphern gehören ebenfalls dazu. Gibson vergrößert die Welt, ohne sie sauberer zu machen.
Für Leser moderner KI-SF ist 'Count Zero' besonders spannend, weil die KI nicht als klarer Chatbot oder Roboter erscheint. Sie tritt als verteilte, kulturell maskierte Macht auf. Das Netz produziert Mythologie. Genau darin liegt Gibsons Stärke: Zukunftstechnologie verändert nicht nur Werkzeuge, sondern die Formen, in denen Menschen das Unbegreifliche deuten.
Marlys Kunsthandlung ist dabei besonders wichtig. Sie bringt Stille, Rätsel und ästhetische Wahrnehmung in eine Welt aus Gewalt und Daten. Gibson zeigt damit, dass Cyberpunk auch über Kunstobjekte sprechen kann, nicht nur über Hacks.
Marlys Kunsthandlung ist dabei besonders wichtig. Sie bringt Stille, Rätsel und ästhetische Wahrnehmung in eine Welt aus Gewalt und Daten. Gibson zeigt damit, dass Cyberpunk auch über Kunstobjekte sprechen kann, nicht nur über Hacks.
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Count Zero. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/count-zero/ (abgerufen am 06.06.2026).
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