Astronomie

Erdnaher Asteroid

Erdnahe Asteroiden, kurz NEOs, sind Kleinkörper, deren sonnennächster Bahnpunkt innerhalb von 1,3 astronomischen Einheiten liegt und die der Erde dadurch nahekommen können. Sie stehen im Zentrum der realen Planetenverteidigung und der Impakt-Science-Fiction.

Ein erdnaher Asteroid ist per Definition ein kleiner Körper des Sonnensystems, dessen sonnennächster Bahnpunkt, das Perihel, weniger als 1,3 astronomische Einheiten von der Sonne entfernt liegt. Dadurch kann seine Bahn der Erdbahn nahekommen. Der englische Sammelbegriff lautet Near-Earth Object, kurz NEO, beziehungsweise Near-Earth Asteroid für die felsigen Vertreter. Bis Ende 2024 waren über 37000 erdnahe Asteroiden bekannt, von denen rund 2400 als potenziell gefährlich eingestuft werden, weil sie groß genug sind und der Erde nahe genug kommen können.

Die Klasse umfasst sehr unterschiedliche Bahntypen, benannt nach jeweils prominenten Vertretern wie Apollo, Aten und Amor. Manche kreuzen die Erdbahn regelmäßig, andere nähern sich nur von außen. Die meisten dieser Brocken sind harmlos klein und verglühen, falls sie überhaupt eintreffen, als helle Feuerkugeln in der Atmosphäre. Größere Objekte sind selten, hätten im Falle eines Einschlags aber regionale oder im Extremfall globale Folgen. Genau deshalb betreiben die NASA und andere Raumfahrtagenturen aufwändige Suchprogramme, die den Himmel systematisch nach neuen NEOs absuchen und ihre Bahnen jahrzehntelang vorausberechnen.

Der entscheidende Schritt von der Beobachtung zur Abwehr gelang 2022 mit der Mission DART. Die NASA-Sonde raste gezielt in den kleinen Mond Dimorphos des Asteroiden Didymos und veränderte dessen Umlaufzeit messbar, um etwa 33 Minuten. Damit war erstmals bewiesen, dass sich die Bahn eines Asteroiden durch einen kinetischen Einschlag tatsächlich ablenken lässt. Dieser sogenannte kinetische Impaktor gilt heute als realistischste Methode der Planetenverteidigung, sofern eine Bedrohung früh genug erkannt wird.

Für die Science-Fiction sind erdnahe Asteroiden ein Dauerbrenner. Das Bedrohungsszenario eines drohenden Einschlags trägt Filme wie 'Deep Impact' und 'Armageddon', während Liu Cixins und anderer Hard-SF eher die nüchterne Mathematik der Ablenkung interessiert. Arthur C. Clarkes 'Der Hammer Gottes' beschreibt mit erstaunlicher Genauigkeit, wie eine Menschheit der Zukunft einen heranrasenden Asteroiden vermisst und ablenkt, und gilt vielen Planetenforschern als Pflichtlektüre. Auch der reale Asteroid Apophis, der 2029 dicht an der Erde vorbeiziehen wird, taucht immer wieder als Inspiration auf.

Jenseits der Bedrohung sind NEOs auch eine Verheißung. Viele enthalten Metalle und Wasser und gelten als mögliche Rohstoffquellen für eine künftige Raumfahrtwirtschaft. Romane über Asteroidenbergbau, von der Belter-Kultur in 'The Expanse' bis zu klassischen Bergbau-Erzählungen, bauen auf genau diesen erreichbaren Brocken auf. Der erdnahe Asteroid ist damit Bedrohung und Versprechen zugleich, und einer der wenigen Orte im All, die wir mit heutiger Technik tatsächlich erreichen könnten.

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