Spieler lesen

The Forever War

Joe Haldemans Antikriegsroman macht Zeitdilatation zur Erfahrung radikaler Entfremdung im interstellaren Krieg.

Spoiler-Warnung: Dieser Eintrag enthält Handlungsdetails aus The Forever War.

Joe Haldemans 'The Forever War' erschien 1974 und gewann Hugo, Nebula und Locus Award. Haldeman war Vietnamveteran, und diese Erfahrung prägt den Roman deutlich. William Mandella wird in einen Krieg gegen die Taurans eingezogen, eine außerirdische Spezies, mit der die Menschheit kaum direkten Kontakt hat. Die Soldaten reisen mit relativistischen Geschwindigkeiten zu Einsatzorten, wodurch Zeitdilatation zum zentralen Motiv wird.

Für Mandella vergehen Monate oder Jahre, während auf der Erde Jahrzehnte verstreichen. Nach jeder Rückkehr ist die Heimat fremder. Sprache, Sexualität, Ökonomie und soziale Normen verändern sich so stark, dass der Soldat nie wirklich zurückkommt. Der Krieg verläuft im All und zugleich zwischen persönlicher Zeit und historischer Zeit. Haldeman verwandelt ein physikalisches Phänomen in eine Metapher für Veteranenerfahrung.

Der Roman steht oft als Gegenpol zu Robert A. Heinleins 'Starship Troopers' von 1959. Wo Heinlein Disziplin, Bürgerpflicht und militärische Ordnung betont, zeigt Haldeman Bürokratie, Desorientierung und Absurdität. Die Ausbildungsszenen, die extreme Umwelt der Einsatzorte und die Sprachlosigkeit gegenüber der Heimat lassen Krieg als System erscheinen, das Menschen ständig veraltet zurücklässt.

Besonders stark ist die späte Enthüllung, dass der Konflikt auf Missverständnissen und Kommunikationsproblemen beruht. Jahrhunderte von Leid wirken im Rückblick grotesk verschwendet. 'The Forever War' nutzt Military-SF als Form, um die entmenschlichende Dauer des Krieges sichtbar zu machen. Der Titel ist wörtlich, physikalisch und seelisch zugleich.

Die Sexualpolitik des Romans ist sichtbar zeitgebunden und zugleich Teil seiner Entfremdungsstrategie. Mandella erlebt gesellschaftliche Veränderungen als Heimatverlust, nicht als abstrakte Fortschrittsdebatte. Haldeman zeigt damit auch die Begrenzung seines Ich-Erzählers. Der Roman verfolgt die Überforderung eines Soldaten, der ständig in spätere Normalitäten fällt und dort jedes Mal wieder fremd ist.

Die militärische Technik bleibt eindrücklich: Kampfanzüge, extreme Trainingsbedingungen, interstellare Sprünge über Collapsare und Gefechte unter fremden physikalischen Bedingungen. Dennoch liegt der emotionale Kern bei Mandella und Marygay Potter. Ihre Beziehung ist einer der wenigen stabilen Bezugspunkte in einer Geschichte, die alle anderen Bindungen durch relativistische Zeit zerreißt.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Mandella und Marygay Potter trägt die Zeitstruktur. Ihre Beziehung wird immer wieder durch Einsätze, Versetzungen und relativistische Sprünge auseinandergerissen. Dadurch bekommt der militärische Apparat eine intime Dimension: Der Krieg zerstört keine abstrakte Zukunft, sondern die Möglichkeit, gemeinsam in derselben Zeit zu bleiben.

Aus dem Forum

Diskutiere diesen Begriff mit Lesern und Autoren im BuchKnall-Forum.

Im Forum diskutieren
Diesen Eintrag zitieren

The Forever War. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/forever-war-spieler-lesen/ (abgerufen am 06.06.2026).