Gene Drive
Gentechnik, die ein bestimmtes Merkmal mit weit über fünfzig Prozent Wahrscheinlichkeit vererbt und so zwangsweise durch eine ganze Population treibt.
Ein Gene Drive ist eine gentechnische Methode, die die normalen Regeln der Vererbung aushebelt. Üblicherweise wird ein Gen mit fünfzig Prozent Wahrscheinlichkeit an die nächste Generation weitergegeben. Ein Gene Drive sorgt dafür, dass ein eingebautes Merkmal fast immer vererbt wird, oft mit weit über neunzig Prozent. Dadurch kann sich eine Veränderung innerhalb weniger Generationen durch eine ganze wildlebende Population ausbreiten, selbst wenn sie für die einzelnen Tiere von Nachteil ist. Genau das macht die Technik so mächtig und so heikel zugleich.
Möglich wurde diese Form des Gene Drive durch die Genschere CRISPR-Cas9. 2014 schlugen Kevin Esvelt, George Church und Kolleginnen und Kollegen an der Harvard-Universität vor, wie sich CRISPR nutzen lässt, um einen sich selbst kopierenden Gene Drive zu bauen. Das eingebaute genetische Element schneidet im Erbgut des Partners genau die Stelle, an der die unveränderte Variante sitzt, und sorgt dafür, dass die Zelle sich beim Reparieren selbst eine Kopie des Drives einsetzt. So vervielfältigt sich die Veränderung von selbst weiter, Generation für Generation.
Das bekannteste Anwendungsziel ist die Bekämpfung der Malaria. Das Forschungskonsortium Target Malaria arbeitet daran, Anopheles-Mücken so zu verändern, dass sie sich kaum noch fortpflanzen. In Laborversuchen gelang es bereits, eingesperrte Mückenpopulationen durch einen Gene Drive vollständig zusammenbrechen zu lassen, indem ein Gen namens doublesex angegriffen wurde, das für die weibliche Entwicklung wichtig ist. Da Malaria jedes Jahr Hunderttausende Menschen tötet, vor allem Kinder in Afrika, ist der mögliche Nutzen enorm.
Genauso groß sind die Bedenken. Ein Gene Drive, der einmal in die freie Natur entlassen wird, lässt sich nur schwer wieder einfangen, denn er breitet sich selbständig aus und macht an Landesgrenzen nicht halt. Esvelt selbst gehört zu den lautesten Mahnern und fordert Transparenz, die Zustimmung betroffener Gemeinschaften und eingebaute Rückholmechanismen, bevor irgendetwas freigesetzt wird. Er warnte, dass der erste größere Zwischenfall wohl kein Anschlag sein werde, sondern schlicht ein Versehen im Labor. Deshalb setzen Projekte wie Target Malaria auf einen stufenweisen Weg, der mit sterilen Männchen beginnt und sich erst langsam zu sich selbst erhaltenden Drives vortastet.
In der Science Fiction ist der Gene Drive ein dankbares Motiv, weil er Hoffnung und Schrecken in einer einzigen Technik vereint. Eine Methode, die eine ganze Art umprogrammieren oder ausrotten kann, lädt zu Geschichten über gute Absichten mit ungeahnten Folgen ein. Ob ein Drive eine Plage beendet oder ein ganzes Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringt, hängt von Faktoren ab, die sich vorab kaum vollständig überblicken lassen. Diese Unsicherheit ist der Stoff, aus dem packende Biotech-Thriller gemacht sind.
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Gene Drive. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/gene-drive/ (abgerufen am 05.06.2026).
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