Wissenschaft

Gentherapie

Medizinische Technik, die defekte Gene repariert, ersetzt oder ausschaltet, um Krankheiten an ihrer genetischen Wurzel zu behandeln.

Gentherapie bezeichnet medizinische Verfahren, die Krankheiten dadurch behandeln, dass sie das Erbgut der Zellen verändern. Statt nur Symptome zu lindern, soll ein defektes oder fehlendes Gen repariert, ersetzt oder stillgelegt werden. Das funktionierende Genmaterial wird meist mit Hilfe veränderter Viren in die Zellen geschleust, sogenannter Vektoren, die ihre eigene Krankheitswirkung verloren haben und nur noch als Transportmittel dienen. In anderen Ansätzen werden Zellen dem Körper entnommen, im Labor verändert und dann zurückgegeben.

Die ersten zugelassenen Gentherapien sind keine Science Fiction mehr, sondern reale Medikamente. In den USA genehmigte die FDA im August 2017 mit Kymriah die erste CAR-T-Zelltherapie gegen eine Form von Blutkrebs bei Kindern. Dabei werden körpereigene Immunzellen gentechnisch so umprogrammiert, dass sie Krebszellen erkennen und angreifen. Im Dezember 2017 folgte Luxturna, die erste Gentherapie gegen eine vererbte Krankheit, die direkt im Körper wirkt. Sie bringt mit einem Virusvektor eine funktionierende Kopie des RPE65-Gens in die Netzhautzellen und kann bestimmten Patienten mit einer erblichen Form der Erblindung das Augenlicht teilweise zurückgeben. 2019 kam Zolgensma gegen spinale Muskelatrophie hinzu, eine schwere Erbkrankheit, die unbehandelt oft im Säuglingsalter tödlich verläuft.

Die Methode hat ihren Preis, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Solche Therapien gehören zu den teuersten Medikamenten der Welt, einzelne Behandlungen kosten Millionenbeträge. Die langfristigen Wirkungen sind bei vielen Ansätzen noch nicht über Jahrzehnte beobachtet, und nicht jede Behandlung hält dauerhaft an. Ein wichtiger ethischer Unterschied liegt zwischen der somatischen Gentherapie, die nur Körperzellen eines einzelnen Menschen verändert, und Eingriffen in Ei- oder Samenzellen, die an die nächste Generation weitergegeben würden. Letztere sind in den meisten Ländern verboten.

Für die Science Fiction ist die Gentherapie die reale Grundlage ganzer Subgenres. Der Biopunk lebt von der Vorstellung, dass sich Menschen ihr eigenes Erbgut umschreiben, um Krankheiten zu besiegen, ihre Fähigkeiten zu steigern oder sich anzupassen. Filme wie Gattaca zeichnen eine Gesellschaft, in der genetische Optimierung den sozialen Rang bestimmt und Menschen ohne gentechnischen Eingriff zu Bürgern zweiter Klasse werden. Die Faszination und das Unbehagen dieser Geschichten speisen sich daraus, dass die zugrunde liegende Technik tatsächlich existiert und sich rasant weiterentwickelt.

Gentherapie steht damit am Übergang von medizinischem Werkzeug zu gesellschaftlicher Frage. Solange sie schwere Erbkrankheiten heilt, gilt sie als Segen. Sobald sie zur Verbesserung gesunder Menschen eingesetzt werden könnte, beginnt das Feld, das die Science Fiction seit Jahrzehnten durchspielt. Die Linie zwischen Heilung und Verbesserung ist dabei längst nicht so klar, wie sie auf den ersten Blick erscheint.

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Gentherapie. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/gentherapie/ (abgerufen am 05.06.2026).