Kosmologisches Prinzip
Die Grundannahme, dass das Universum auf großen Skalen überall gleich aussieht, egal von wo und in welche Richtung man schaut.
Das Kosmologische Prinzip besagt, dass das Universum auf hinreichend großen Skalen homogen (an jedem Ort gleich) und isotrop (in jede Richtung gleich) ist. Es gibt keinen bevorzugten Mittelpunkt und keine ausgezeichnete Richtung. Dieser Grundsatz ist die philosophische und mathematische Basis fast aller kosmologischen Modelle.
Historisch geht das Prinzip auf Kopernikus zurück, der die Erde aus dem Zentrum des Sonnensystems rückte. Die moderne Formulierung entstand in den 1930er-Jahren im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie. Die Friedmann-Gleichungen, die das expandierende Universum beschreiben, setzen Homogenität und Isotropie voraus. Ohne diese Vereinfachung wären die Gleichungen praktisch unlösbar.
Die kosmische Hintergrundstrahlung liefert den stärksten Beleg für das Kosmologische Prinzip. Sie zeigt in allen Richtungen nahezu exakt dieselbe Temperatur (2,725 Kelvin), mit Schwankungen von nur einem Hunderttausendstel. Allerdings gibt es auch Herausforderungen: Die Entdeckung extrem großer Strukturen wie der Hercules-Corona-Borealis-Großen-Mauer (über 10 Milliarden Lichtjahre lang) wirft die Frage auf, ab welcher Skala das Prinzip wirklich gilt. Auch das sogenannte Axis-of-Evil-Signal in den CMB-Daten deutet auf mögliche großräumige Anisotropien hin.
Für die Science-Fiction ist das Kosmologische Prinzip relevant, weil es bestimmt, wie fremde Zivilisationen das Universum wahrnehmen würden. Wenn es überall gleich aussieht, gelten die Naturgesetze auch für jede erdenkliche Alienkultur, was Hard-SF-Autoren wie Greg Egan oder Peter Watts als Grundlage für ihre Weltentwürfe nutzen.
Es gibt eine schwächere und eine stärkere Form des Prinzips. Das schwache Kopernikanische Prinzip sagt nur, dass wir keinen ausgezeichneten Ort im Universum einnehmen. Das Kosmologische Prinzip fügt hinzu, dass auch die Richtung keine Rolle spielt (Isotropie). Das sogenannte Perfekte Kosmologische Prinzip, das Fred Hoyle bei seiner Steady-State-Theorie verwendete, hätte zusätzlich verlangt, dass das Universum auch zeitlich unveränderlich ist. Das Perfekte Prinzip wurde durch die Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung und die Beobachtung, dass Quasare in der frühen Zeit häufiger waren als heute, eindeutig widerlegt.
Aktuelle Kosmologie testet das Prinzip mit immer größeren Galaxienkatalogen. Der SDSS-Katalog (Sloan Digital Sky Survey) kartierte Millionen von Galaxien und fand auf Skalen über 300 Millionen Lichtjahre gute Übereinstimmung mit dem Prinzip. Großstrukturen wie der Hercules-Corona-Borealis-Große-Mauer, die möglicherweise über zehn Milliarden Lichtjahre lang ist, wirken auf den ersten Blick als Widerspruch. Kosmologen betonen jedoch, dass das Prinzip auf Skalen gilt, die größer als die beobachteten Strukturen sind, und dass statistische Schwankungen auch sehr große Strukturen erlauben, ohne das Prinzip zu brechen.
In der Science-Fiction erscheint das Prinzip selten beim Namen, aber seine Implikation taucht ständig auf. Wenn Aliens in Romanen wie Ted Chiangs The Story of Your Life oder Liu Cixins Trisolaris-Reihe dieselbe Physik beherrschen wie die Menschheit, steckt das Kosmologische Prinzip dahinter. Universa, in denen bestimmte Orte oder Richtungen physikalisch ausgezeichnet sind, wie in Greg Egans Diaspora, fordern das Prinzip bewusst heraus und erzeugen dadurch faszinierende spekulative Geometrien.
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