Astronomie

Leptonen

Eine Familie leichter Elementarteilchen, zu der Elektronen, Myonen, Tauonen und ihre zugehörigen Neutrinos gehören.

Leptonen bilden neben den Quarks die zweite große Familie der fundamentalen Materieteilchen im Standardmodell der Teilchenphysik. Der Name stammt vom griechischen leptos (leicht, dünn), was bei der Namensgebung 1948 durch Leon Rosenfeld treffend war, da die damals bekannten Leptonen allesamt leichte Teilchen waren. Heute kennt man allerdings auch das Tauon, das fast doppelt so schwer ist wie ein Proton.

Es gibt sechs Leptonen, geordnet in drei Generationen: das Elektron mit seinem Elektron-Neutrino (1. Generation), das Myon mit seinem Myon-Neutrino (2. Generation) und das Tauon mit seinem Tau-Neutrino (3. Generation). Jedes dieser Teilchen hat ein Antiteilchen. Elektronen sind stabil und bilden die Hüllen aller Atome. Myonen und Tauonen sind instabil und zerfallen in Sekundenbruchteilen.

Der entscheidende Unterschied zu Quarks: Leptonen unterliegen nicht der starken Kernkraft. Sie interagieren über die elektromagnetische Kraft (geladene Leptonen) und die schwache Kernkraft (alle Leptonen einschließlich Neutrinos). Neutrinos sind besonders faszinierend, weil sie fast keine Wechselwirkung mit normaler Materie eingehen. Milliarden Neutrinos durchströmen jede Sekunde jeden Quadratzentimeter der Erdoberfläche, ohne etwas zu berühren.

In der Science-Fiction spielen Neutrinos als Kommunikationsmittel eine Rolle, weil sie Materie durchdringen können. In Projekt Hail Mary von Andy Weir wird ein neuartiger Kommunikationskanal genutzt, und in Liu Cixins Trisolaris-Trilogie dienen Neutrinos als kosmisches Nachrichtenmedium.

Neutrinos haben lange Zeit als masselos gegolten. Erst 1998 bewies das Super-Kamiokande-Experiment in Japan durch das Phänomen der Neutrino-Oszillation, dass Neutrinos eine winzige Masse haben müssen: Sie verändern auf dem Weg durch den Raum ihren Typ, schwingen zwischen Elektronen-, Myon- und Tau-Neutrinos hin und her, was nur bei Teilchen mit Masse möglich ist. Die genaue Masse ist noch unbekannt, liegt aber im Bereich von Milliardstel Elektronenvolt, kleiner als alles, was man direkt messen kann.

Diese winzige Masse hat kosmologische Konsequenzen. Neutrinos sind nach Photonen die häufigsten Teilchen im Universum: Pro Kubikzentimeter Weltraum schwirren rund 330 Neutrinos des kosmischen Hintergrunds herum, Überreste aus der Frühphase des Universums kurz nach dem Urknall. Ihre Gesamtmasse trägt damit zu einem kleinen, aber messbaren Anteil an der Dichte des Universums bei.

Für die Science-Fiction liegen Neutrinos genau im richtigen Bereich: real genug, um Hard SF damit zu bauen, exotisch genug für dramatische Verwendungen. Ein Neutrinodetektor, der ein gezieltes Signal aus dem Weltall empfängt, wäre in keinem Roman implausibel. In Cixin Lius Dunklem Wald wird die Sonne durch eine Proton-Dimension modifiziert und als gigantischer Sender genutzt, eine Extrapolation, die direkt auf der realen Physik der Neutrino-Wechselwirkungen aufbaut.