Persönlichkeit

Margaret Atwood

Kanadische Autorin, deren dystopische Romane wie The Handmaid's Tale die Grenzen zwischen Literatur und Science Fiction auflösen.

Margaret Atwood (*1939 in Ottawa, Kanada) gehört zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen der Gegenwart, und ihre Werke haben die Art, wie wir über dystopische Literatur denken, grundlegend verändert. Sie selbst bevorzugt den Begriff Speculative Fiction und betont, dass alles in ihren Romanen auf realen historischen Entwicklungen basiert.

The Handmaid's Tale (1985) ist ihr bekanntestes Werk: Die Republik Gilead hat die Vereinigten Staaten ersetzt, Frauen sind ihrer Rechte beraubt, und fruchtbare Frauen werden als Gebärsklavinnen missbraucht. Der Roman wurde mehrfach verfilmt und erlebt durch die gleichnamige TV-Serie seit 2017 eine Renaissance. Atwood betonte stets, dass sie nichts erfunden hat, was nicht irgendwo auf der Welt bereits geschehen ist. Genau das macht den Roman so verstörend.

Die MaddAddam-Trilogie (Oryx and Crake, The Year of the Flood, MaddAddam) entwirft eine nahe Zukunft, in der Biotechnologie außer Kontrolle geraten ist. Genetisch veränderte Tiere, Pandemien als Waffe und der Zusammenbruch der Zivilisation bilden den Hintergrund für eine Geschichte über die Arroganz menschlicher Schöpfungskraft.

Für den Roman The Blind Assassin gewann Atwood im Jahr 2000 den renommierten Booker Prize. Fast zwei Jahrzehnte später kehrte sie mit The Testaments (2019), der direkten Fortsetzung von The Handmaid's Tale, zurück in die Welt Gileads und teilte sich den Booker Prize desselben Jahres mit Bernardine Evaristo, ein seltener Fall einer geteilten Auszeichnung.

Atwoods Stärke liegt in der Präzision ihrer Gesellschaftsanalyse. Ihre Dystopien fühlen sich nicht wie ferne Fantasien an, sondern wie Verlängerungen gegenwärtiger Trends. Sie nimmt heutige Entwicklungen und dreht sie um eine halbe Umdrehung weiter, bis sie albtraumhaft werden.

Ihr Einfluss auf die moderne dystopische Literatur ist kaum zu überschätzen. Ohne The Handmaid's Tale sähe die aktuelle Welle feministischer Dystopien ganz anders aus. Atwood bewies, dass Science Fiction (oder Speculative Fiction, wie sie es nennt) eines der mächtigsten Werkzeuge ist, um über Macht, Geschlecht und Freiheit nachzudenken.

Auch international zählt Atwood zu den meistausgezeichneten Gegenwartsautorinnen. Ihr Gesamtwerk umfasst neben Romanen auch Gedichtbände, Essays und Kurzgeschichten, in denen sie immer wieder zwischen literarischem Mainstream und spekulativer Fiktion wechselt, ohne dass die Genregrenze für sie eine Rolle spielt. Diese Beweglichkeit zwischen den Feldern hat entscheidend dazu beigetragen, dass Speculative Fiction heute als ernstzunehmende literarische Form anerkannt wird.

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Margaret Atwood. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/margaret-atwood/ (abgerufen am 23.08.2026).

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