Megakonstellation
Netzwerke aus Hunderten oder Tausenden kleiner Satelliten im niedrigen Erdorbit, die zusammen globale Internetversorgung, Erdbeobachtung oder Kommunikation ermöglichen. Starlink ist das bekannteste Beispiel.
Eine Megakonstellation besteht aus Hunderten bis Zehntausenden kleiner, standardisierter Satelliten, die in koordinierten Umlaufbahnen den gesamten Erdball abdecken. Die Idee ist nicht neu (Iridium startete 1997 mit 66 Satelliten), aber die aktuelle Welle erreicht eine völlig neue Größenordnung.
SpaceX Starlink ist mit Abstand die größte: Über 6.500 aktive Satelliten im Orbit (Stand Anfang 2025), mit Genehmigungen für bis zu 42.000. Die Satelliten fliegen in ca. 550 km Höhe und bieten Breitband-Internet mit Latenzen von 20 bis 40 Millisekunden, vergleichbar mit terrestrischem DSL. In abgelegenen Regionen, auf Schiffen und in Krisengebieten (z. B. nach der Flut in Valencia 2024) hat Starlink die Kommunikation grundlegend verändert.
Amazon baut mit Project Kuiper eine konkurrierende Konstellation (geplant 3.236 Satelliten). OneWeb (jetzt Eutelsat OneWeb) betreibt ca. 630 Satelliten in 1.200 km Höhe. China plant mit dem Guowang-Projekt (GuoWang, 國網) eine eigene Megakonstellation mit 12.992 Satelliten.
Die Astronomie hat ein Problem damit. Megakonstellationen hinterlassen Leuchtspuren auf Langzeitbelichtungen, besonders in der Dämmerung, wenn die Satelliten von der Sonne angestrahlt werden. Das Vera C. Rubin Observatory (LSST) wird besonders betroffen sein: Simulationen zeigen, dass in den ersten und letzten Stunden der Nacht bis zu 30 % der Aufnahmen Satellitenspuren enthalten könnten. SpaceX hat mit VisorSat und DarkSat Maßnahmen zur Helligkeitsreduzierung eingeführt, aber das Problem wächst mit der Anzahl der Satelliten.
Weltraummüll ist das zweite Problem. Jeder Satellit wird nach 5 bis 7 Jahren Betriebszeit kontrolliert zum Absturz gebracht (Deorbit). Wenn ein Satellit ausfällt, bevor er deorbiten kann, wird er zu unkontrollierbarem Müll. Bei Zehntausenden von Satelliten steigt die Kollisionswahrscheinlichkeit, und eine Kollisionskaskade (Kessler-Syndrom) im niedrigen Erdorbit könnte die Raumfahrt für Jahrzehnte beeinträchtigen.
Regulatorisch gibt es Spannungen: Die ITU vergibt Frequenzen, aber die physischen Orbitalpositionen im LEO sind nicht reguliert. Wer zuerst seine Konstellation aufbaut, besetzt die Orbits. Die Frage, ob der niedrige Erdorbit ein globales Gemeingut ist oder nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vergeben wird, ist völkerrechtlich ungeklärt.
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