Space Junk
Die wachsende Menge an Trümmern im Erdorbit, die Raumfahrt zunehmend gefährdet und ein reales Kessler-Syndrom drohen lässt.
Weltraummüll (Space Debris, Space Junk) umfasst alle von Menschen geschaffenen Objekte in der Erdumlaufbahn, die keine Funktion mehr erfüllen: ausgediente Satelliten, Raketenstufen, Trümmer von Kollisionen und Explosionen, verlorene Werkzeuge von Astronauten, Farbsplitter von Raumfahrzeugen.
Das Problem ist gewaltig und wächst exponentiell. Die ESA schätzt über 36.000 Objekte größer als 10 cm, über eine Million zwischen 1 und 10 cm und über 130 Millionen kleiner als 1 cm. Selbst ein Farbsplitter von wenigen Millimetern kann bei Orbitalgeschwindigkeiten (28.000 km/h) erheblichen Schaden anrichten. Die ISS muss regelmäßig Ausweichmanöver durchführen.
Das Kessler-Syndrom, benannt nach dem NASA-Wissenschaftler Donald Kessler (1978), beschreibt ein Worst-Case-Szenario: Eine Kollision erzeugt Trümmer, die weitere Kollisionen verursachen, die weitere Trümmer erzeugen, in einer Kaskadenreaktion, die bestimmte Orbits unbrauchbar macht. China verschärfte das Problem 2007 durch einen Anti-Satelliten-Test, der über 3.000 verfolgbare Trümmer erzeugte.
In der Science-Fiction ist Weltraummüll ein unterschätztes Thema. In 'Gravity' (2013) löst eine Trümmerkaskade die Handlung aus. In 'Planetes' (2003), einem japanischen Anime, räumt ein Team Weltraummüll auf, was als Metapher für Umweltverschmutzung funktioniert. In Neal Stephensons 'Seveneves' zerstört der zerbrochene Mond die Erdoberfläche durch einen Trümmerregen.
Reale Lösungsansätze umfassen: Netze und Harpunen zum Einfangen großer Trümmer (ClearSpace-1), Laser zum Abbremsen kleiner Partikel, und Vorschriften, die neue Satelliten innerhalb von 5 Jahren nach Betriebsende aus dem Orbit bringen müssen. Das Problem wird dringender, da Megakonstellationen wie Starlink tausende neuer Satelliten in den Orbit bringen.
Bei den Aufräumversuchen gibt es seit 2024 konkrete Fortschritte. Die japanisch-britische Mission ADRAS-J (Astroscale und JAXA) näherte sich ab Februar 2024 einer ausgedienten H-IIA-Raketenoberstufe bis auf 15 Meter an und lieferte die ersten Nahaufnahmen eines unkontrolliert taumelnden Trümmerobjekts. Die Folgemission ADRAS-J2, geplant für das japanische Fiskaljahr 2027, soll dasselbe Objekt erstmals mit einem Roboterarm greifen und aktiv entfernen, die erste kommerzielle Entfernung eines großen Raketenkörpers überhaupt. Die ESA-Mission ClearSpace-1, ursprünglich für einen Vega-Adapter geplant und inzwischen auf den Satelliten PROBA-1 umgestellt, verzögerte sich unterdessen weiter: Stand Februar 2026 wird der Start nicht mehr 2026, sondern erst 2028 erwartet. Die Aufräumtechnik hinkt dem wachsenden Müllproblem also weiterhin hinterher.
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Space Junk. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/weltraummuell/ (abgerufen am 12.07.2026).
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