ISS (Internationale Raumstation)
Die Internationale Raumstation ist das teuerste und komplexeste Bauwerk, das die Menschheit je errichtet hat. Seit dem 2. November 2000 leben ununterbrochen Menschen an Bord, 400 Kilometer über der Erde. Die ISS ist zugleich Labor, Testgelände und der lebende Beweis dafür, dass internationale Zusammenarbeit selbst unter extremen Bedingungen funktionieren kann.
Aktuelle Lage (Stand 5. Juni 2026): An Bord der ISS gibt es ein ernstes Luftleck im russischen Segment. Betroffen ist das PrK, ein kurzer Verbindungstunnel zwischen einem Andockstutzen und dem russischen Servicemodul Swesda. Anfang Juni 2026 wies die NASA die vierköpfige Besatzung der Crew-12-Mission an, sich in ihrem angedockten Rückkehrraumschiff vom Typ SpaceX Crew Dragon in Sicherheit zu bringen, die Raumanzüge anzulegen und sich auf eine mögliche Notevakuierung vorzubereiten, während Roskosmos das Leck abzudichten versucht. Zur Crew-12 zählen zwei US-Astronauten, ein französischer ESA-Astronaut und ein russischer Kosmonaut.
Das Leck ist kein neues Problem, sondern die Zuspitzung einer seit Jahren bekannten Schwachstelle. Roskosmos meldete bereits im September 2019 einen ersten Druckverlust und führte ihn auf feine Risse im PrK-Tunnel zurück. Die Leckrate stieg über die Jahre immer wieder an, 2024 stufte die NASA das Risiko als hoch ein. Nach mehreren Reparaturversuchen schien sich die Lage Mitte 2025 zu beruhigen, doch Anfang Mai 2026 nahm der Druckverlust erneut zu und erreichte zuletzt etwa ein halbes Kilogramm Luft pro Tag. Die Schutzanordnung ist eine Vorsichtsmaßnahme: Die ISS ist so konstruiert, dass die betroffene Luke im Ernstfall versiegelt und das russische Segment vom Rest der Station abgetrennt werden kann. NASA und Roskosmos überwachen den Kabinendruck rund um die Uhr. Dieser Abschnitt beschreibt ein laufendes Ereignis und wird aktualisiert, sobald sich die Lage ändert.
Am 20. November 1998 startete eine russische Proton-K-Rakete das Modul Sarja (russisch für Morgenröte) vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. Es war das erste Bauteil einer Station, die einmal 430 Tonnen wiegen, 109 Meter breit und 73 Meter lang werden sollte. Zwei Wochen später brachte das Space Shuttle Endeavour das amerikanische Verbindungsmodul Unity ins All. Die Astronauten Jerry Ross und James Newman verbanden die beiden Module in zwei Außenbordeinsätzen miteinander. Die ISS war geboren.
Die Station kreist in durchschnittlich 408 Kilometern Höhe mit einer Geschwindigkeit von 28.000 km/h um die Erde. Für eine Umrundung braucht sie 93 Minuten. Die Besatzung erlebt pro Tag 16 Sonnenaufgänge und 16 Sonnenuntergänge. Seit Expedition 1 im November 2000 war die ISS keinen einzigen Tag unbemannt. Über 290 Menschen aus mehr als 20 Ländern haben sie besucht.
Die Gesamtkosten der ISS liegen je nach Berechnungsgrundlage zwischen 100 und 150 Milliarden US-Dollar, verteilt auf die fünf beteiligten Raumfahrtagenturen NASA (USA), Roskosmos (Russland), ESA (Europa), JAXA (Japan) und CSA (Kanada). Der laufende Betrieb kostet etwa 12 Millionen Dollar pro Tag, wobei rund die Hälfte auf Transportkosten für Besatzung und Fracht entfällt.
Wissenschaftlich hat die ISS mehr als 3.700 Experimente ermöglicht, die in rund 500 Fachartikeln veröffentlicht wurden. Zu den Durchbrüchen gehören Erkenntnisse über Proteinwachstum in der Schwerelosigkeit, die Entwicklung kalter Plasmen zur Wunddesinfektion, die Erzeugung von Bose-Einstein-Kondensaten im Cold Atom Lab und die NASA-Zwillingsstudie mit Scott und Mark Kelly, die erstmals systematisch dokumentierte, wie ein Jahr im All den menschlichen Körper verändert. Die meisten Effekte bildeten sich nach der Rückkehr zurück, aber etwa 9 Prozent der veränderten Genaktivität blieben auch sechs Monate nach der Landung bestehen.
Der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst war 2018 als erster Deutscher Kommandant der ISS. Seine Horizons-Mission brachte nicht nur wissenschaftliche Ergebnisse, sondern machte die Raumfahrt auch einem breiteren deutschen Publikum zugänglich.
Die ISS soll bis 2030 betrieben werden. Danach plant die NASA einen kontrollierten Absturz ins Meer, gesteuert von einem SpaceX-Deorbit-Vehicle. Der Zielort ist Point Nemo im Südpazifik, benannt nach der Figur aus Jules Vernes Roman 20.000 Meilen unter dem Meer. Es ist der Punkt auf der Erdoberfläche, der am weitesten von jeder Landmasse entfernt liegt. Nachfolger sollen kommerzielle Raumstationen von Axiom Space, Blue Origin, Northrop Grumman und Starlab werden. Russland plant, seine Module abzutrennen und als Kern einer eigenen Russischen Orbitalstation (ROS) weiterzubetreiben.
In der Science Fiction sind Raumstationen seit den Anfängen des Genres präsent. Schon 1869 beschrieb Edward Everett Hale in The Brick Moon einen künstlichen Satelliten als Navigationshilfe. Arthur C. Clarke und Stanley Kubrick schufen mit der rotierenden Station in 2001: Odyssee im Weltraum (1968) das bekannteste Bild einer Raumstation im Film. Babylon 5 (1993 bis 1998) machte eine Station zum diplomatischen Zentrum der Galaxis. Die ISS selbst wurde 2024 im Thriller I.S.S. verfilmt, in dem amerikanische und russische Besatzungsmitglieder nach Ausbruch eines Krieges auf der Erde um die Kontrolle der Station kämpfen. Gravity (2013) nutzt die ISS als Schauplatz einer Überlebensgeschichte, und in The Expanse dient die Station Tycho als Konstruktionswerft für das Generationenraumschiff Nauvoo.
Die reale ISS bleibt ein Unikat. Kein anderes Bauwerk der Menschheitsgeschichte wurde in vergleichbarer internationaler Kooperation errichtet, über einen so langen Zeitraum ununterbrochen bewohnt und unter so extremen Bedingungen betrieben. Wenn sie um 2030 in den Pazifik stürzt, endet eine Ära, in der die Menschheit zum ersten Mal dauerhaft im Weltraum gelebt hat.
Zitate
The ISS is the most complex scientific and technological endeavour ever undertaken.
Auf der ISS spielt es keine Rolle, ob du Amerikaner, Russe, Japaner oder Europäer bist. Du bist Besatzungsmitglied.
Häufige Fragen
Was ist Anfang Juni 2026 mit der ISS passiert?
Anfang Juni 2026 trat im russischen Segment der ISS ein verstärktes Luftleck auf. Es stammt aus dem PrK, einem kurzen Verbindungstunnel am Servicemodul Swesda. Die NASA wies die Crew-12-Besatzung an, sich in ihr angedocktes SpaceX-Crew-Dragon-Raumschiff zu begeben, die Raumanzüge anzulegen und sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten, während Roskosmos das Leck abdichtet. Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme bei einem seit 2019 bekannten Problem, das sich zuletzt zugespitzt hat.
Muss die Besatzung die ISS verlassen?
Stand 5. Juni 2026 ist keine Evakuierung beschlossen, sondern eine vorsorgliche Schutzposition. Die Besatzung hält sich in ihrem Rückkehrraumschiff bereit, um im Notfall sofort ablegen zu können. Die ISS ist so gebaut, dass die undichte Luke versiegelt und das russische Segment vom übrigen Teil der Station abgetrennt werden kann. NASA und Roskosmos überwachen den Kabinendruck laufend. Verschärft sich die Lage, steht das angedockte Raumschiff für eine rasche Rückkehr zur Erde bereit.
Wie lange wird die ISS noch betrieben?
NASA und die internationalen Partner haben den Betrieb bis 2030 vereinbart. Danach soll die Station mithilfe eines SpaceX-Deorbit-Vehicles kontrolliert zum Absturz gebracht werden. Der Zielort ist Point Nemo im Südpazifik, der am weitesten von jeder Landmasse entfernte Punkt der Erde. Nachfolger werden kommerzielle Raumstationen von Axiom Space, Blue Origin und anderen Unternehmen.
Was kostet der Betrieb der ISS pro Tag?
Der laufende Betrieb kostet etwa 12 Millionen US-Dollar pro Tag. Rund die Hälfte davon entfällt auf Transportkosten für Besatzung und Versorgungsgüter. Die Gesamtkosten seit Baubeginn 1998 liegen je nach Berechnungsgrundlage zwischen 100 und 150 Milliarden Dollar.
Welche wissenschaftlichen Durchbrüche wurden auf der ISS erzielt?
Zu den wichtigsten Ergebnissen gehören: die NASA-Zwillingsstudie (Langzeitauswirkungen der Schwerelosigkeit auf den Körper), die Erzeugung von Bose-Einstein-Kondensaten im Cold Atom Lab (ein fünfter Aggregatzustand), verbesserte Proteinkristallisation für die Medikamentenentwicklung und die Entwicklung kalter Plasmen zur Wundbehandlung. Insgesamt wurden über 3.700 Experimente durchgeführt.
In welchen Science-Fiction-Werken spielt die ISS eine Rolle?
Der Thriller I.S.S. (2024) zeigt einen Konflikt zwischen amerikanischer und russischer Besatzung nach Kriegsausbruch auf der Erde. In Gravity (2013) ist die ISS ein Schauplatz der Überlebensgeschichte. Der Roman The Murderbot Diaries spielt auf Raumstationen, die von der ISS inspiriert sind. Andy Weirs Der Marsianer erwähnt die ISS als Vorgänger späterer Stationen. In der Realität hat die ISS die Darstellung von Raumstationen in der Science Fiction stark beeinflusst, weil sie erstmals zeigte, wie das Leben im All tatsächlich aussieht.
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ISS (Internationale Raumstation). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/iss/ (abgerufen am 17.06.2026).
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