Nier: Automata
Action-RPG über Androiden, die in einer Welt ohne Menschen nach Sinn suchen.
Yoko Taros Action-RPG (2017, entwickelt von PlatinumGames) spielt Tausende Jahre in der Zukunft. Außerirdische Maschinen haben die Menschheit von der Erde vertrieben, die Überlebenden flohen auf den Mond. Kampfandroiden der YoRHa-Einheit werden zur Erde geschickt, um sie zurückzuerobern. 2B und 9S kämpfen gegen Maschinen, die zunehmend menschliches Verhalten zeigen: Sie gründen Dörfer, lesen Philosophen, suchen nach Sinn.
Das Spiel muss mehrfach durchgespielt werden, um die volle Geschichte zu erschließen. Jeder Durchlauf verschiebt die Perspektive, enthüllt neue Informationen und stellt das Erlebte infrage. Route C/D bricht die vierte Wand und konfrontiert den Spieler mit dem Gewicht seiner eigenen Entscheidungen. Das wahre Ende E ist einer der emotionalsten Momente der Spielegeschichte.
Yoko Taros Erzählstil verbindet absurden Humor mit existenzieller Melancholie. Die Maschinen imitieren menschliches Verhalten, ohne es zu verstehen, die Androiden leugnen ihre Emotionen, obwohl sie längst empfinden. Keiichi Okabes Soundtrack (Weight of the World, Amusement Park) ist untrennbar mit dem Spielerlebnis verbunden.
Nier: Automata ist spielbarer Philip K. Dick. Wer die Frage nach maschinellem Bewusstsein weiterlesen will, greift zu Do Androids Dream of Electric Sheep? (Dick), Klara and the Sun (Ishiguro) oder Machines Like Me (McEwan).
Das Gameplay-Design unterstützt die thematische Botschaft auf clevere Weise. Die drei verschiedenen Routen (A, B, C/D/E) sind nicht einfach 'New Game Plus', sondern erzählen dieselben Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven und mit zusätzlichen Informationen. Route B spielt man mit 9S und sieht Szenen, die als 2B unsichtbar waren. Dann beginnt Route C und das Fundament bricht weg. Das ist Erzählung als Strukturprinzip, nicht als Cutscene-Anhäufung.
Yoko Taro hat in Interviews erklärt, dass er Spiele über das Scheitern und die Sinnlosigkeit des Kämpfens machen will. Nier: Automata setzt das konsequent um: Jede Aktion der Androiden ist potenziell sinnlos, aber sie kämpfen weiter, weil Sinn kein Voraussetzung für Handeln ist. Das ist Existenzialismus als Spieldesign, Camus ohne akademischen Subtext.
Keiichi Okabes Soundtrack ist keine Begleitung, sondern ein eigenständiges Erzählelement. Weight of the World existiert in drei Versionen im Spiel: als Melodie, als vokale Version und als mehrstimmige Chorfassung im Abspann. Die letzte Version kommt nach dem Ende E, wenn das Spiel die Spieler bittet, anderen zu helfen. Der Kontext macht den Song zu etwas, das man nicht erklärt, sondern erlebt.
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Nier: Automata. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/nier-automata/ (abgerufen am 17.06.2026).
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