Olbers-Paradoxon
Die Frage, warum der Nachthimmel dunkel ist, obwohl in einem unendlichen, gleichförmig mit Sternen gefüllten Universum jede Blickrichtung auf einen Stern treffen müsste.
Das Olbers-Paradoxon (benannt nach dem Bremer Arzt und Astronomen Heinrich Wilhelm Olbers, der es 1823 formulierte, obwohl bereits Kepler 1610 und de Chéseaux 1744 ähnliche Überlegungen angestellt hatten) stellt eine scheinbar einfache Frage: Warum ist es nachts dunkel? In einem unendlichen, statischen Universum, das gleichmäßig mit Sternen gefüllt ist, müsste jede Blicklinie irgendwann auf eine Sternoberfläche treffen. Der gesamte Nachthimmel müsste so hell leuchten wie die Oberfläche eines durchschnittlichen Sterns.
Die Auflösung des Paradoxons liefert die moderne Kosmologie gleich auf mehreren Ebenen. Der wichtigste Faktor: Das Universum ist nicht unendlich alt. Es ist vor etwa 13,8 Milliarden Jahren im Urknall entstanden, und Licht von Sternen jenseits des beobachtbaren Horizonts hatte schlicht nicht genug Zeit, uns zu erreichen. Zusätzlich sorgt die Expansion des Universums dafür, dass das Licht ferner Quellen rotverschoben und damit energieärmer wird. Und schließlich leuchten Sterne nicht ewig, sondern haben eine begrenzte Lebensdauer.
Das Olbers-Paradoxon ist ein schönes Beispiel dafür, wie eine vermeintlich naive Frage zu fundamentalen Einsichten über die Natur des Universums führt. Historisch war es eines der Argumente gegen ein statisches, ewiges Universum und damit ein Wegbereiter für die Urknalltheorie.
Edgar Allan Poe formulierte 1848 in seinem kosmologischen Essay Eureka eine erstaunlich hellsichtige Lösung: Er argumentierte, das Universum sei zu jung, als dass alles Licht uns bereits erreicht haben könnte. In der modernen Science-Fiction greift etwa Greg Egan in seinen Romanen kosmologische Paradoxa als Ausgangspunkt für spekulative Physik auf.
Verwandte Begriffe