Qualia
Die subjektiven Qualitäten bewusster Erfahrungen: wie sich Rot anfühlt, wie Kaffee schmeckt, wie Schmerz schmerzt.
Qualia (Singular: Quale) sind die subjektiven, phänomenalen Aspekte bewusster Erfahrungen. Der Begriff beschreibt das, was es ist wie, eine bestimmte Erfahrung zu machen: die Röte von Rot, die Süße von Zucker, das Stechen eines Schmerzes. Qualia sind das, was übrig bleibt, wenn man alle objektiven, physikalischen Beschreibungen abgezogen hat.
Das berühmteste Gedankenexperiment zu Qualia stammt von Frank Jackson (1982): Mary, eine brillante Neurowissenschaftlerin, hat ihr gesamtes Leben in einem schwarz-weißen Raum verbracht. Sie weiß alles über die Physik des Lichts, die Neurobiologie des Sehens und die Sprachphilosophie von Farbbegriffen. Dann verlässt sie den Raum und sieht zum ersten Mal eine rote Tomate. Lernt sie etwas Neues? Jackson argumentierte: Ja, sie lernt, wie sich Rot anfühlt. Also gibt es Wissen, das nicht physikalisch ist.
Das Qualia-Problem ist direkt relevant für die Frage, ob künstliche Intelligenz jemals bewusst sein kann. Ein Computer kann Farbwerte berechnen und Bilder klassifizieren, aber erlebt er dabei etwas? Hat er eine subjektive Erfahrung? Wenn Qualia nicht-physikalisch sind, könnte keine noch so genaue Simulation eines Gehirns Bewusstsein erzeugen.
Daniel Dennett vertritt die Gegenposition: Qualia existieren nicht als eigenständige Phänomene. Was wir als subjektives Erleben beschreiben, ist nichts weiter als Informationsverarbeitung, die wir introspektiv fehlinterpretieren. Diese Position ist unter Philosophen umstritten, hat aber in der KI-Forschung Einfluss.
In der Science-Fiction behandelt Greg Egan das Qualia-Problem am tiefsten: In Diaspora (1997) leben postbiologische Wesen als Software, und die Frage, ob ihre Erfahrungen echte Qualia sind oder nur funktionale Kopien, durchzieht den Roman.