Weltraummedizin

Raumfahrt-Pharmakologie

Medikamente wirken im All anders, veränderte Aufnahme, beschleunigte Zersetzung und kosmische Strahlung beeinflussen die Pharmakokinetik im Weltraum.

Was ist Raumfahrt-Pharmakologie?

Medikamente wirken im All anders, veränderte Aufnahme, beschleunigte Zersetzung und kosmische Strahlung beeinflussen die Pharmakokinetik im Weltraum.

Im Weltraum verändert sich die Wirkung von Medikamenten auf mehreren Ebenen. Die Flüssigkeitsverschiebung im Körper (cephalad fluid shift) verändert das Blutplasmavolumen und damit die Verteilung von Wirkstoffen. Die gastrointestinale Motilität ist in der Schwerelosigkeit verlangsamt, was die Absorption oraler Medikamente beeinflusst.

Ein weiteres Problem ist die Haltbarkeit: Kosmische Strahlung und erhöhte Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen beschleunigen den Zerfall von Wirkstoffen. Eine NASA-Studie analysierte Medikamente, die auf der ISS gelagert worden waren, und fand, dass viele Präparate schneller ihre Wirksamkeit verloren als auf der Erde, teilweise bereits nach Monaten statt nach Jahren.

Astronauten verwenden häufig Schlafmittel (Zolpidem, Melatonin), Antiemetika (gegen Weltraumkrankheit), Schmerzmittel und abschwellende Mittel. Die NASA-Zwillingsstudie dokumentierte veränderte Leberenzyme bei Scott Kelly, die auf eine veränderte Metabolisierung hindeuten.

Für Mars-Missionen werden stabile Arzneiformulierungen benötigt, die 3 Jahre unter Strahlungsbelastung wirksam bleiben. Forschungsansätze umfassen strahlenresistente Verpackungen, lyophilisierte (gefriergetrocknete) Wirkstoffe und die Möglichkeit, einfache Medikamente an Bord zu synthetisieren, eine Art pharmazeutischer 3D-Druck.