Astronomie

Roter Zwerg

Kleine, kühle Sterne mit weniger als der halben Sonnenmasse, die bis zu Billionen Jahre leuchten und die häufigste Sternart in der Milchstraße sind.

Roter Zwerg
NASA/ESA/Hubble — Proxima Centauri, der nächste Stern zur Sonne und ein typischer Roter Zwerg

Rote Zwerge (Spektralklasse M) sind die häufigsten Sterne im Universum. Sie machen etwa 70 bis 80 Prozent aller Sterne in der Milchstraße aus, sind aber wegen ihrer geringen Leuchtkraft mit bloßem Auge nicht sichtbar. Kein einziger Roter Zwerg ist am Nachthimmel ohne Hilfsmittel zu erkennen.

Rote Zwerge haben Massen zwischen 0,08 und 0,5 Sonnenmassen und Oberflächentemperaturen von etwa 2.500 bis 3.900 Kelvin. Ihre geringe Masse bedeutet, dass die Kernfusion langsamer abläuft als in der Sonne. Dadurch haben sie extrem lange Lebensdauern: Die kleinsten Roten Zwerge könnten theoretisch Billionen von Jahren leuchten, weit über das aktuelle Alter des Universums (13,8 Milliarden Jahre) hinaus. Kein Roter Zwerg, der je entstanden ist, hat bisher sein Leben beendet.

Besonders interessant sind Rote Zwerge für die Suche nach bewohnbaren Planeten. Weil sie so lichtschwach sind, liegt ihre habitable Zone (der Bereich, in dem flüssiges Wasser auf einer Planetenoberfläche existieren könnte) sehr nah am Stern. Das erleichtert den Nachweis von Planeten per Transitmethode. Proxima Centauri b, ein erdgroßer Planet in der habitablen Zone des nächsten Sterns zur Sonne (4,24 Lichtjahre entfernt), ist eines der prominentesten Beispiele. Allerdings sind Rote Zwerge oft aktiver als die Sonne: Starke Flares und Sternwinde könnten die Atmosphären naher Planeten zerstören.

In der Science-Fiction spielen Rote Zwerge eine wachsende Rolle. Liu Cixins Trisolaris-System enthält rote Zwergsterne. Andy Weirs Projekt Hail Mary beschäftigt sich mit einem Stern, der durch einen Parasiten verdunkelt wird. Und in Becky Chambers' Roman Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten reist die Crew durch Systeme mit roten Zwergen.