SciFi-Bücher mit starken weiblichen Hauptfiguren?
Protagonistinnen die das Genre prägen.
Die Vorstellung, Science Fiction sei ein Genre von Männern für Männer, war schon immer falsch. Ursula K. Le Guin, Octavia Butler und James Tiptree Jr. (Alice Sheldon) haben das Genre in den 1960ern und 70ern mitdefiniert. Heute dominieren Autorinnen regelmäßig die wichtigsten Preise.
Ann Leckies Breq (Ancillary Justice, 2013) ist eine KI in einem menschlichen Körper, die ein galaktisches Imperium herausfordert. Leckie verwendete durchgehend weibliche Pronomen, unabhängig vom biologischen Geschlecht der Figuren, und stellte damit die Frage, warum wir Geschlecht überhaupt als erstes Merkmal wahrnehmen. N.K. Jemisins Essun (Broken Earth, ab 2015) ist eine Frau mit der Macht, Erdbeben auszulösen, in einer Welt, die ständig von geologischen Katastrophen heimgesucht wird. Die Trilogie gewann drei Hugo Awards in Folge.
Martha Wells' Murderbot (ab 2017) ist geschlechtslos, eine Kampfdrohne mit Sozialangst, die lieber Serien schaut als Menschen zu beschützen. Die Reihe ist humorvoll und emotional zugleich. Becky Chambers' Wayfarers-Reihe (ab 2014) erzählt von einer diversen Crew, in der Beziehungen und Fürsorge wichtiger sind als Konflikte. Naomi Aldermans The Power (2016) dreht die Geschlechterverhältnisse um: Frauen entwickeln die Fähigkeit, elektrische Schläge zu verteilen, und die Welt verändert sich grundlegend.
Octavia Butlers Kindred (1979) und Parable of the Sower (1993) gehören zu den prophetischsten SF-Werken überhaupt. Die Auswahl war nie besser als heute.
Die Verschiebung im Genre hat strukturelle Ursachen. Als SF in den 50er und 60er Jahren seine Grundmuster entwickelte, schrieben fast ausschließlich Männer für eine männlich dominierte Leserschaft. Frauen schrieben unter Pseudonymen: James Tiptree Jr. war Alice Sheldon, was die SF-Community in den 70ern erschütterte, als die Wahrheit herauskam. Die Vermutung, dass eine Frau diese Geschichten nicht schreiben konnte, war eine Aussage über das Genre, nicht über die Schriftstellerin.
Today sind mehr Hugo- und Nebula-Awards an Autorinnen verliehen worden als an Autoren. Das ist keine Quote, sondern das Ergebnis davon, dass ein Genre, das über Bewusstsein, Körper, Gesellschaft und Macht nachdenkt, logischerweise auch von denen geschrieben wird, die diese Themen mit anderen Erfahrungen anreichern. N.K. Jemisins Broken Earth Trilogie, die drei Hugo Awards in Folge gewann, wäre in den 60er Jahren kaum denkbar gewesen.
Für Einsteigerinnen und Einsteiger in das Gebiet: Ann Leckies Ancillary Justice (2013) ist der logische erste Schritt. Das Buch ist leicht zugänglich, spannend erzählt und stellt die Geschlechterfrage so subtil ein, dass man sie erst nach ein paar Kapiteln bemerkt. Martha Wells' Murderbot-Diaries (ab 2017) sind kurz, witzig und emotional präzise. Becky Chambers' Romane sind ruhig und warmherzig, ohne dabei seicht zu sein.
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SciFi-Bücher mit starken weiblichen Hauptfiguren?. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/scifi-starke-frauen/ (abgerufen am 17.06.2026).