Social Credit System
Staatliches Bewertungssystem, das Bürger anhand ihres Verhaltens mit Punkten bewertet und bei niedrigem Score Restriktionen verhängt.
Das Social Credit System ist ein chinesisches Regierungsprojekt, das seit 2014 schrittweise eingeführt wird. Es erfasst das Verhalten von Bürgern und Unternehmen und vergibt Bewertungen: Wer Rechnungen pünktlich zahlt, wird belohnt. Wer bei Rot über die Ampel geht, verliert Punkte. Bei niedrigem Score drohen Reiseverbote, eingeschränkter Zugang zu Krediten oder öffentliche Nennung auf Schwarzen Listen.
Die Realität ist weniger monolithisch als oft dargestellt. Es existieren Dutzende lokaler Pilotprojekte mit unterschiedlichen Regeln und Technologien, kein einzelnes zentrales System. Die Gesichtserkennung im öffentlichen Raum spielt dabei eine wachsende Rolle: Chinesische Städte setzen Kameras ein, die Fußgänger bei Verkehrsverstößen identifizieren und deren Foto mit Name und Vergehen auf Großbildschirmen zeigen.
Für die Science-Fiction ist das Konzept ein gefundenes Fressen. Marc-Uwe Klings Qualityland (2017) zeigt eine Gesellschaft, in der ein algorithmischer Level über alle Lebensbereiche entscheidet. Meritocracy von Kenichi Arakawa beschreibt eine Welt, in der soziale Bewertungen in Echtzeit über AR-Brillen sichtbar sind. Die Black-Mirror-Episode Nosedive (2016) hat eine Gesellschaft entworfen, in der jede soziale Interaktion bewertet wird und der persönliche Score über den Zugang zu Wohnungen, Flügen und Freundschaften bestimmt.
Gerade das Social Credit System macht eine alte dystopische Angst greifbar: dass das eigene Verhalten lückenlos erfasst und in einen Punktwert übersetzt wird, der über Teilhabe entscheidet. Die Realität ist dabei weniger einheitlich als ihr Schreckbild, ein Flickenteppich lokaler Versuche statt eines allwissenden Zentralsystems, doch die Richtung ist beunruhigend genug. Die Science-Fiction hat das Prinzip in Werken wie Qualityland und der Black-Mirror-Episode Nosedive konsequent zu Ende gedacht. Sie zeigt, wie eine Gesellschaft erstarrt, sobald jede Geste bewertet wird, und wie aus Anpassung schließlich die Angst vor dem eigenen Punktestand wird.
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