Konzept

Space Fountain

Turmartiger Startmechanismus, der durch einen senkrechten Strom beschleunigter Projektile in beliebiger Höhe stabil bleibt.

Die Space Fountain (Weltraumfontäne) wurde in den 1990er Jahren von Roderick Hyde am Lawrence Livermore National Laboratory vorgeschlagen. Das Prinzip ähnelt einem Wasserbrunnen: Ein kontinuierlicher Strom von Projektilen wird von der Erdoberfläche mit hoher Geschwindigkeit senkrecht nach oben geschossen. Am oberen Ende der Struktur werden die Projektile magnetisch umgelenkt und fallen durch einen parallelen Kanal wieder hinunter. An der Basis werden sie abgebremst, umgelenkt und erneut nach oben geschossen.

Der Impulsaustausch zwischen den aufsteigenden und absteigenden Projektilen hält die gesamte Struktur in der Schwebe, ohne dass sie eine eigene strukturelle Festigkeit braucht. Eine Plattform an der Spitze kann in beliebiger Höhe positioniert werden, theoretisch bis in den geostationären Orbit.

Der Vorteil gegenüber einem Weltraumlift: Die Space Fountain erfordert keine Materialien mit extremer Zugfestigkeit, weil die Struktur dynamisch getragen wird, nicht statisch. Sie könnte mit heutigen Materialien gebaut werden. Der Nachteil: Das System braucht ständig Energie, um die Projektile in Bewegung zu halten. Ein Stromausfall hätte katastrophale Folgen, weil die gesamte Struktur zusammenbrechen würde.

Die Space Fountain steht konzeptionell zwischen dem Weltraumlift (passiv, braucht Supermaterialien) und der Lofstrom-Schleife (horizontal, niedriger). Sie zeigt, dass der Zugang zum Orbit nicht zwingend Raketen erfordert, wenn man bereit ist, in permanente Infrastruktur zu investieren.

Das Sicherheitsproblem der Space Fountain ist ihr größter konzeptioneller Schwachpunkt. Da die gesamte Struktur durch einen aktiven Projektilstrom getragen wird, ist sie von einer ununterbrochenen Energieversorgung abhängig. Eine kurze Unterbrechung würde nicht zum kontrollierten Stillstand führen, sondern zum sofortigen Kollaps einer Struktur, die möglicherweise in den geostationären Orbit reicht. Die physikalischen Konsequenzen auf der Erde darunter wären katastrophal.

Zum Vergleich: Ein Weltraumlift ist passiv stabil, er hängt einfach da. Der Orbitale Ring ist durch die Rotation seines inneren Massenrings dynamisch stabil, verliert aber nicht sofort die Struktur, wenn Energie fehlt. Die Space Fountain ist das fraglichste Konzept aus einer Sicherheitsperspektive, auch wenn seine physikalischen Grundlagen solide sind.

Trotz dieses Handicaps ist die Space Fountain für SF-Autoren interessant, weil sie ein dramatisches Versagensszenario bietet. Eine Geschichte, in der die Space Fountain aus welchen Gründen auch immer ausfällt, hat sofort ein klares, verständliches und verheerendes Katastrophenszenario. Infrastruktur als Handlungsmotor ist ein SF-Trope, das selten so plastisch ist wie hier.

Diesen Eintrag zitieren

Space Fountain. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/space-fountain/ (abgerufen am 04.06.2026).