A Canticle for Leibowitz
Walter M. Millers Klassiker (1959): Benediktinermönche bewahren Wissen nach dem Atomkrieg. Über 2000 Jahre.
Spoiler-Warnung: Dieser Eintrag enthält Handlungsdetails aus A Canticle for Leibowitz.
Walter M. Miller Jr. veröffentlichte 1959 einen Roman, der drei Epochen nach einem verheerenden Atomkrieg umspannt. In einem Kloster in der Wüste des amerikanischen Südwestens bewahren Mönche des Ordens des heiligen Leibowitz Fragmente technischen Wissens, während die Menschheit in ein neues Mittelalter zurückgefallen ist. Einkaufszettel und Schaltpläne werden zu heiligen Reliquien.
Der Roman besteht aus drei Teilen, die jeweils Jahrhunderte auseinander liegen: Fiat Homo (Dunkelheit), Fiat Lux (Wiederentdeckung) und Fiat Voluntas Tua (erneuter Aufstieg zur Technologie). Miller zeigt einen Kreislauf: Die Menschheit erfindet ihre Werkzeuge neu, wiederholt ihre Fehler und steuert auf eine erneute Vernichtung zu.
Das Buch gewann 1961 den Hugo Award und gilt als einer der wichtigsten postapokalyptischen Romane überhaupt. Miller, der im Zweiten Weltkrieg an der Bombardierung des Klosters Monte Cassino teilgenommen hatte, verarbeitete darin seine eigenen Erfahrungen. Der Roman war bis zu seinem Tod sein einziges Buch. Die postum veröffentlichte Fortsetzung Saint Leibowitz and the Wild Horse Woman erschien 1997.
Der heilige Leibowitz, nach dem das Kloster benannt ist, war vor dem Atomkrieg ein Elektroingenieur. Er gründete den Orden, um technisches Wissen zu bewahren, und wurde ein Märtyrer. Dass ein Einkaufszettel und ein Schaltplan zu heiligen Reliquien werden, ist Millers bittere Ironie: Die Menschen wissen nicht mehr, was sie aufbewahren, nur dass sie es aufbewahren sollen. Wissen und Verständnis trennen sich.
Der Kreislauf-Gedanke ist das philosophische Zentrum des Romans. Miller sieht in der menschlichen Geschichte kein Fortschreiten, sondern eine Spirale: Wissen wird erworben, geht verloren, wird wiederentdeckt, und führt schließlich zur nächsten Katastrophe. Diese pessimistische Anthropologie unterscheidet den Roman von anderen postapokalyptischen Werken, die zumindest eine Hoffnung auf Besserung lassen.
Millers Biografie erklärt die Schwere. Er litt nach dem Krieg unter dem, was heute PTSD heißen würde, und arbeitete jahrzehntelang an dem Roman. 1996 nahm er sich das Leben, bevor die Fortsetzung fertig war. Terry Bisson vollendete sie nach Millers Notizen. Für Leser, die die postapokalyptische Tradition erkunden wollen: Cormac McCarthys The Road teilt Millers Tonlage der absoluten Ernsthaftigkeit.
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A Canticle for Leibowitz. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/a-canticle-for-leibowitz/ (abgerufen am 04.06.2026).