A Case of Conscience
Hugo-Gewinner (1959) von James Blish: Ein Jesuitenpater entdeckt eine moralisch perfekte Alien-Spezies, die ohne Gott auskommt.
Spoiler-Warnung: Dieser Eintrag enthält Handlungsdetails aus A Case of Conscience.
James Blish veröffentlichte 1958 einen Roman, der als erster das Verhältnis von Religion und Science Fiction in den Mittelpunkt stellte. Pater Ramon Ruiz-Sanchez reist als Teil einer Expedition zum Planeten Lithia. Dort lebt eine reptiloide Spezies, die eine funktionierende, gewaltfreie Gesellschaft aufgebaut hat. Die Lithianer kennen keine Lüge, keinen Diebstahl, keine Gewalt. Sie handeln moralisch einwandfrei.
Das Problem: Sie tun es ohne Religion, ohne Offenbarung, ohne Gottesbegriff. Für den Jesuitenpater stellt das eine theologische Krise dar. Kann es Moral ohne Gott geben? Oder ist Lithia eine Schöpfung des Teufels, die durch ihre Perfektion den Glauben untergraben soll? Der Roman gewann 1959 den Hugo Award und bildet den Auftakt von Blishs thematischer Trilogie After Such Knowledge.
Blish stellte damit eine Frage, die in der Science Fiction selten so direkt verhandelt wird: Was bedeutet der Kontakt mit einer vollständig fremden Zivilisation für die Fundamente unserer eigenen Weltanschauung?
Blish war kein Gläubiger, aber kein Atheist im kampflustigen Sinne. Er interessierte sich für die innere Logik religiöser Systeme und dafür, wie sie unter Druck reagieren. Pater Ramon ist kein Karikatur, sondern ein gebildeter, ernsthafter Mann, dessen Glaubenssystem mit etwas konfrontiert wird, das es nicht vorhersehen konnte. Die Spannung zwischen Vernunft und Glauben ist in der Figur genuine, nicht satirisch.
Der erste Teil des Romans erschien bereits 1953 als Kurzgeschichte in The Magazine of Fantasy and Science Fiction. Für den Roman erweiterte Blish die Geschichte um einen zweiten Teil, der auf der Erde spielt und die gesellschaftlichen Reaktionen auf den Lithianer-Kontakt zeigt. Die Kombination macht deutlich, dass es Blish nicht nur um eine theologische Frage ging, sondern um die Institutionen, die religiöse Autorität verwalten und die durch Lithia in eine existenzielle Krise geraten.
Für Leser, die das Thema Religion und Erstkontakt interessiert: Mary Doria Russells The Sparrow (1996) ist der direkte Nachfolger dieser Tradition und einer der emotional intensivsten Kontakt-Romane überhaupt. Auch Walter M. Millers A Canticle for Leibowitz bewegt sich in der Schnittmenge von Theologie und Science Fiction.
Diesen Eintrag zitieren
A Case of Conscience. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/a-case-of-conscience/ (abgerufen am 04.06.2026).
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