Spieler lesen

A Memory Called Empire

Arkady Martines Debuet (2019): Eine Botschafterin navigiert Hofintrigen in einem Imperium, das Kulturen verschlingt. Hugo Award 2020.

Spoiler-Warnung: Dieser Eintrag enthält Handlungsdetails aus A Memory Called Empire.

Arkady Martine, im Hauptberuf Byzantinistin, veröffentlichte 2019 einen Roman, der das Byzantinische Reich, das Aztekenreich und die Linguistik der Sapir-Whorf-Hypothese zu einem Science-Fiction-Setting verwebt. Mahit Dzmare wird von der kleinen, unabhängigen Raumstation Lsel als Botschafterin zum riesigen Teixcalaan-Imperium geschickt. Ihr Vorgänger ist unter ungeklärten Umständen gestorben.

Mahit trägt in ihrem Schädel ein Imago, eine Kopie des Bewusstseins ihres Vorgängers, die ihr als Ratgeber dienen soll. Doch das Imago ist veraltet und funktioniert nicht richtig. Während sie die Umstände des Todes aufklärt, muss sie gleichzeitig verhindern, dass Teixcalaan ihre Heimatstation annektiert.

Der Roman gewann den Hugo Award 2020. Die Fortsetzung A Desolation Called Peace (2021) gewann ebenfalls den Hugo. Martines Arbeit wird für ihre differenzierte Darstellung von Imperialismus gelobt: Teixcalaan ist anziehend und abstoßend zugleich, seine Kultur verführerisch und zerstörerisch.

Das Imago-System, das Mahit in sich trägt, ist eine der faszinierendsten Ideen des Romans. Statt einer reinen Kopie handelt es sich um ein kondensiertes Bewusstsein des Vorgängers, das mit der Zeit und durch Erfahrung in die neue Person einwächst. Dass das System fehlerhaft ist und Mahit keinen verlässlichen Zugang zu den Erinnerungen ihres Vorgängers hat, ist sowohl technischer Plot-Motor als auch Metapher: Wir erben nie vollständig, was unsere Vorgänger wussten.

Martines Hintergrund als Byzantinistin ist auf jeder Seite spürbar. Teixcalaan ist kein abstraktes Imperium, sondern ein lebendiges bürokratisches System mit eigenen Hofsprachen, Höflichkeitsregeln und Machtverteilungen. Die Sprache des Imperiums selbst ist ein Machtinstrument: Wer gut Teixcalaanli spricht, hat Zugang, wer die Nuancen nicht beherrscht, wird als Barbar behandelt. Mahit, die die Sprache liebt und gleichzeitig weiß, dass sie niemals wirklich dazugehören wird, verkörpert die koloniale Ambivalenz des Romans.

Für Leser, die politische SF mit literarischem Anspruch schätzen: Ursula K. Le Guins The Left Hand of Darkness und The Dispossessed teilen die Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung mit Macht und Kultur. Ann Leckie's Ancillary Justice-Trilogie hat eine ähnliche Faszination für Imperiummechanik.

Diesen Eintrag zitieren

A Memory Called Empire. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/a-memory-called-empire/ (abgerufen am 04.06.2026).