Technologie

Aerostat

Luftfahrzeug leichter als Luft, von der NASA als Plattform für die Venus-Erkundung vorgeschlagen und in der SF als Grundlage schwebender Städte genutzt.

Ein Aerostat ist ein Luftfahrzeug, das leichter ist als die umgebende Luft und deshalb ohne Antrieb schwebt: Ballons, Zeppeline, Luftschiffe. Das Konzept ist über 200 Jahre alt (die Brüder Montgolfier starteten 1783 den ersten bemannten Ballonflug), aber in der modernen Raumfahrtplanung erlebt es eine Renaissance.

Die NASA hat Aerostaten als Plattform für die Venus-Erkundung vorgeschlagen. In einer Höhe von etwa 55 Kilometern über der Venusoberfläche herrschen Bedingungen, die der Erde erstaunlich ähnlich sind: Die Temperatur liegt bei angenehmen 30 Grad Celsius, der Luftdruck entspricht etwa dem auf Meeresniveau, und die dichte Kohlendioxid-Atmosphäre bietet genug Auftrieb für Ballons, die mit normaler Erdluft gefüllt sind. Das Projekt HAVOC (High Altitude Venus Operational Concept) entwarf ein Konzept für bemannte Aerostat-Missionen über der Venus.

In der Science-Fiction sind Aerostaten vor allem als schwebende Städte auf Gasplaneten präsent. Die Wolkenstadt Bespin in Star Wars: Das Imperium schlägt zurück (1980) ist das bekannteste Beispiel. Charles Stross beschrieb in Saturn's Children Habitate in den oberen Atmosphärenschichten von Jupiter und Saturn. Kim Stanley Robinsons 2312 entwirft bewohnbare Aerostaten über der Venus. Tobias Buckells Sly Mongoose spielt in schwebenden Städten über einem heißen Planeten.

Das Faszinierende am Aerostat-Konzept ist, dass es eine technisch vergleichsweise einfache Lösung für ein schwieriges Problem bietet: Die Oberfläche der Venus ist lebensfeindlich (460 °C, 90 Atmosphären Druck), aber ihre Atmosphäre in der richtigen Höhe ist einer der erdähnlichsten Orte im Sonnensystem.

Genau diese Ironie hat Schriftsteller fasziniert. Der tödlichste Planet des inneren Sonnensystems trägt in 55 Kilometern Höhe Bedingungen, die ein Mensch in einem Druckanzug überstehen könnte. Charles Stross und Kim Stanley Robinson haben daraus Bilder extraterrestrischer Stadtplanung entwickelt: schwebende Plattformen über Schwefelwolken, Windturbinen die die Jetstreams der Venus nutzen, Gewächshäuser in der Schwerelosigkeit der Atmosphäre.

Der praktische Vorteil gegenüber dem Mars ist real. Ein Marsbesiedler braucht unter dem dünnsten Atmosphärenmantel eine Druckhülle für jeden Meter seines Lebens. Ein Venus-Aerostatbewohner lebt in Normaldruck, muss nur Temperatur und Zusammensetzung der Luft kontrollieren, und hat Gravitation fast wie auf der Erde. Das ist kein triviales Argument. Das NASA-HAVOC-Konzept hat diese Logik durchgerechnet und für machbar befunden, wenn auch auf Jahrzehnte hinaus.

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