Verfilmung

Alien Nation

Film (1988) und TV-Serie über außerirdische Flüchtlinge, die sich in Los Angeles integrieren, erzählt als Buddy-Cop-Geschichte mit Rassismus-Parabel.

Alien Nation (1988, Regie: Graham Baker, Drehbuch: Rockne S. O'Bannon) nimmt eine klassische Science-Fiction-Prämisse und kleidet sie in das Format eines Buddy-Cop-Films. 300.000 außerirdische Tenctonese, ehemalige Sklaven, die auf einem havarierten Schiff die Erde erreichten, leben drei Jahre nach ihrer Ankunft in einem eigenen Viertel in Los Angeles. Der menschliche Detective Matthew Sykes (James Caan) wird mit dem Tenctonese-Detective Sam Francisco (Mandy Patinkin) zusammengespannt, um einen Mord aufzuklären.

Der Film nutzt die Aliens als transparente Metapher für Immigration und Rassismus: Die Tenctonese werden 'Newcomers' genannt (oder abfällig 'Slags'), leben in Ghettos, werden diskriminiert und kämpfen um gesellschaftliche Anerkennung. Die Parallelen zu realen Einwanderungsdebatten sind gewollt und deutlich.

Der eigentliche Erfolg der Idee kam mit der TV-Serie Alien Nation (1989-1990, Fox), die O'Bannon weiterentwickelte. Die Serie konnte die Prämisse über 22 Episoden vertiefen: Tenctonese-Kultur, Biologie (sie reagieren allergisch auf Salzwasser), Religion und die alltäglichen Konflikte der Integration wurden ausführlich erkundet. Nach der Absetzung folgten fünf TV-Filme (1994-1997). Das Franchise bewies, dass Science-Fiction gesellschaftliche Themen zugänglicher machen kann als jedes Sozialdrama.

Am interessantesten ist die Biologie der Tenctonese: Sie reagieren allergisch auf Salzwasser (was als Waffe gegen sie eingesetzt wird), werden besoffen von gesprittem Milch, und ihre Fortpflanzungsbiologie ist dreigeschlechtlich. Diese Details sind nicht Spielerei. Sie erzwingen eine Auseinandersetzung mit dem, was normal bedeutet. Wer im Salzwasser der Meere badet, die Grundlage eines Strandurlaubs, bringt die Tenctonese in Todesangst. Das ist strukturelle Ungerechtigkeit mit SF-Mitteln.

Die TV-Serie hat das Potenzial des Films weit übertroffen. In 22 Episoden konnte Rockne S. O'Bannon die Gesellschaft der Tenctonese entwickeln: ihre Religion, ihre Sprache, ihre Familienstrukturen, ihre Geschichte als versklavtes Volk. Das ist der Vorteil des Serienformats gegenüber dem Film: Minderheiten und ihre Kulturen brauchen Zeit. Ein 90-Minuten-Spektakel kann das nicht leisten. Alien Nation war für die Früh-90er-TV-Landschaft erstaunlich ambitioniert.

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Alien Nation. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/alien-nation/ (abgerufen am 05.06.2026).