Asteroidenbergbau
Die Gewinnung von Rohstoffen auf Asteroiden: Ein Konzept, das vom Spekulationsobjekt zur ernsthaften Industrieplanung geworden ist.
Der Asteroid 16 Psyche, ein metallischer Brocken von etwa 226 Kilometern Durchmesser im Asteroidengürtel, besteht nach NASA-Schätzungen grösstenteils aus Eisen, Nickel und Gold. Der theoretische Materialwert wird auf über 10.000 Billionen US-Dollar beziffert, ein Betrag, der die gesamte Weltwirtschaft um ein Vielfaches übersteigt. Die NASA startete 2023 die Psyche-Mission, die den Asteroiden 2029 erreichen soll, nicht um ihn abzubauen, sondern um zu verstehen, wie metallische Asteroidenkerne entstehen.
Die Logik des Asteroidenbergbaus ergibt sich aus einem geologischen Problem. Auf der Erde hat die Schwerkraft die schwersten Metalle (Platin, Gold, Nickel, Kobalt) während der Planetenbildung in den Kern gezogen. Was an der Oberfläche verfügbar ist, stammt grösstenteils aus späten Asteroiden-Einschlägen. Auf Asteroiden, die zu klein sind, um sich gravitativ zu differenzieren, liegen diese Metalle direkt an der Oberfläche oder nur knapp darunter. Die geringe Schwerkraft macht den Abbau und Transport theoretisch einfacher als auf einem Planeten.
Die ersten kommerziellen Versuche begannen in den 2010er Jahren. Planetary Resources (gegründet 2010, mit Investoren wie Larry Page und Eric Schmidt) und Deep Space Industries (gegründet 2013) sammelten jeweils zweistellige Millionenbeträge ein, bevor beide Unternehmen scheiterten. Die technischen Hürden waren zu groß, die Zeiträume zu lang für Risikokapitalgeber. 2023 startete AstroForge, ein neues US-Unternehmen, seine erste Testmission, um Raffinierungstechnologien im Weltraum zu erproben.
Luxemburg verabschiedete 2017 ein Gesetz, das Unternehmen explizit das Recht auf den Abbau von Weltraumressourcen einräumt. Die USA hatten bereits 2015 mit dem Commercial Space Launch Competitiveness Act eine ähnliche Regelung geschaffen. Beide Gesetze umgehen die Frage, ob ein Staat Hoheitsrechte über Himmelskörper beanspruchen kann (was der Weltraumvertrag von 1967 verbietet), indem sie sich auf das Recht an den abgebauten Ressourcen konzentrieren.
In der Science Fiction ist Asteroidenbergbau ein Standardelement. In der Expanse-Reihe von James S.A. Corey sind die Belter (Gürtler) eine eigenständige Kultur, die seit Generationen im Asteroidengürtel lebt und Rohstoffe für die inneren Planeten abbaut. Ihre politische Unterdrückung durch Erde und Mars ist der zentrale Konflikt der Serie. Kim Stanley Robinsons 2312 beschreibt eine Zukunft, in der ausgehöhlte Asteroiden als rotierende Habitate genutzt werden, in denen ganze Ökosysteme eingerichtet sind. Peter Hamiltons Commonwealth-Saga zeigt Asteroidenbergbau als etablierte Industrie einer interstellaren Zivilisation.
Die realistischste Einschätzung: Der Abbau von Wasser und flüchtigen Verbindungen auf erdnahen Asteroiden (zur Treibstoffproduktion im Orbit) ist technisch näher als der Abbau von Edelmetallen. Wasser im Weltraum verfügbar zu machen, würde die Kosten für Weltraummissionen massiv senken, weil der Transport von der Erde der teuerste Teil jeder Mission ist.
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